300 Jahre Unterkirche zu Bad Frankenhausen

Ingrid Mansel

 

300 Jahre Unterkirche zu Bad Frankenhausen

(Kirchweihe 10. Oktober 1703)

 

Klosterkirche - evangelische Hauptkirche - Unterkirche

 

von Ingrid Mansel

 

 

Herausgeber:

Förderverein Unterkirche Bad Frankenhausen e. V., Vorsitzender: Harald Brandt

 

Text: Ingrid Mansel, Bad Frankenhausen

 

Fotos: Lutz Hecker, Peter Zimmer, Erika Otto, Dieter Haselhuhn, Ingrid Mansel

 

Druck: Druckerei Pauli Hof/Saale – Treuen/Vogtland

 

Alle Rechte beim Herausgeber

 

Nachdruck nicht gestattet

 

Wiedergabe in Cistopedia mit freundlicher Genehmigung von Frau Ingrid Mansel

 

 

 

 

Zum Geleit

 

„Die Kirche soll im Dorf bleiben!“ Diesen Ruf hört man landauf, landab. Er ist schon ein Sprichwort dafür geworden, dass das man sich auf das Wesentliche konzentrieren solle.

 

Aber sind denn die Kirchen noch das Wesentliche in der Wahrnehmung der Menschen einer Stadt bzw. eines Dorfes? Schaut man auf die Größe und das Leben der Gemeinden, meint man es zuweilen anders zu sehen. Allerdings sprengen in dem Falle, dass der bauliche Erhalt solch eines (oft auch ältesten) Gebäudes auf dem Spiele steht, Willensbekundung und Engagement meist die Grenzen der christlichen Bevölkerungsanteile.

 

Worin liegt also das Geheimnis der Kirchen, dass sie auch in einer weitgehend säkularisierten Umwelt nicht aufgegeben werden? Ist es noch ein Erbe der Glaubenspraxis alter (biblischer) Zeiten, da man sich in oder am Heiligtum in besonderer Nähe zu Gott wähnte? Psalm 84 singt ein Lied davon: Wie lieb sind mir deinen Wohnungen – meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn.

 

Es kann jedenfalls nicht einfach nur dem Umstand zu verdanken sein, dass unsere Kirchen unter Denkmalschutz stehen und sich durch Größe und Neutralität oft schon als idealer Versammlungsort über den Bereich der Gottesdienste hinaus erwiesen haben, auch nicht, dass Kirchen auch für viele Nichtgläubige nach wie vor die schönste Kulisse für Hochzeiten, usw. sind.

 

Es liegt eher nahe, dass gerade in diesen Zeiten des säkularisierten Alltages vieler Menschen ein Ort gewusst werden möchte, an dem Gott doch noch zu finden ist (in Worten der Bibel: eine Wohnung Gottes), ein Stück letzter Sicherheit, falls sich der Weg ohne Gott doch als Sackgasse erweisen sollte. Dass sich Gott bereit hält, sich finden zu lassen, wo man ihn sucht, soll uns Anlass genug sein, im Zusammenspiel mit der Kirchgemeinde Bad Frankenhausen auch diese schöne große „Wohnung Gottes“ in Wert und Nutzung zu erhalten. Dem dient unsere Arbeit als „Förderverein Unterkirche Bad Frankenhausen e. V.“ und dem dient dieses Heft, mit dem Sie sich über mehr als 800 Jahre Kirchen- und nicht zuletzt Frankenhäuser Stadtgeschichte informieren und zugleich etwas dafür tun können, dass die Kirche wirklich „im Dorf“ bleibt. Und dies besonders im Hinblick auf die 300. Wiederkehr der Kirchweihe am 10. Oktober 2003, welche Anlass für eine würdige Feier in einer verschönerten Kirche sein sollte. Der Verkaufserlös aus dieser Broschüre kann dank des großzügigen Sponsorings der Firma Pauli-Druck Hof-Treuen/Vogtl. zu 100 % für die geplanten Erhaltungsmaßnahmen verwendet werden, wodurch auch jeder Käufer sein Scherflein zu diesem Vorhaben beiträgt. Herzlichen Dank daher an diese Firma sowie auch an Frau Mansel, die ebenso uneigennützig den Text erarbeitet hat, und an all jene, welche die Fotos zur Verfügung gestellt haben.

 

Pfarrer Stephan Bernstein

Stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Unterkirche Bad Frankenhausen e. V.

 

Bad Frankenhausen, im März 2001

 

Helfen Sie mit, unsere schöne barocke Unterkirche zu erhalten, – werden Sie Mitglied im Förderverein Unterkirche Bad Frankenhausen e. V. -

 

 

 

 

Gründung und Verfall des Zisterzienserinnenklosters zu Frankenhausen

 

(Zeitraum: 1215-1551)

 

Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! (Psalm 84)

 

Wie ein guter Stern steht die Botschaft aus diesem Psalm über allen Gotteshäusern und manifestiert sich in dem fortdauernden Bemühen, diese Stätten trotz aller immer wieder hereinbrechenden Katastrophen oder auch Zeiten der absoluten Gleichgültigkeit und des Verfalls nicht untergehen zu lassen. Und auf diese wundersame Weise blieben uns über die Zeitläufte herrliche Bauwerke erhalten, die heute nicht nur Zentren des geistlich-religiösen Lebens sind, sondern auch zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit gehören. Sie sind in Stein gefasste Geschichte, aus der man allerdings verstehen muss zu lesen.

 

Und dies trifft auch auf unsere Frankenhäuser Unterkirche zu, deren äußere Gestalt auch einen in Baustilkunde weniger geübten Betrachter ins Grübeln bringen könnte. Einem „spätgotischen Chor mit seinen Strebepfeilern, die in Höhe der spitzbogigen Fenster enden“ /10/, ist ein altehrwürdiger Turm mit Barockhaube quasi beigestellt, und das wuchtige Langhaus mit aus Vorgängerbauten übernommenen Portalen schließt sich dem Ensemble nahtlos an. Diese untypische Bauform ist der wechselvollen Historie des sakralen Gebäudes geschuldet und reicht zurück bis in dessen Vergangenheit, die mit dem Schicksal des ehemaligen Frankenhäuser Zisterzienserinnenklosters eng verknüpft ist.

 

 

Über die Geschichte dieses Klosters und die Geschicke ihrer Bewohnerinnen ist nur relativ wenig bekannt, da die Wut der sich in und um Frankenhausen im Jahre 1525 zur „letzten Schlacht“ zusammenrottenden Bauern „den roten Hahn“ aufs Klosterdach gesetzt hatte. Raub und Plünderung taten das ihre, um den für die Nachwelt interessanten Nachlass zu vernichten.

 

Nach den „Reinhardsbrunner Annalen“ ist das Frankenhäuser Nonnenkloster und auch dessen Kirche von dem Grafen Friedrich III.von Beichlingen im Jahre 1215 gestiftet worden. Diesem fiel durch seine Heirat mit der Erbgräfin Hedwig von Rothenburg auch die Stadt Frankenhausen zu. Die von ihm gestiftete Klosterkirche sollte nach seinem Ableben am 21. Juli 1275 auch seine Grablege werden. Sein Grabstein, nach dem Brande von 1689 verschüttet, wurde beim Aufräumen 1692 erneut aufgefunden, ging danach aber gänzlich verloren, lediglich des Stadtsyndikus’ Müldener Gewissenhaftigkeit bewahrte eine Abbildung desselben (siehe Abb.).

 

Während die Namensgebung für die Kirche St. Georgii des Schwesterklosters in Kelbra eindeutig nachweisbar ist, gibt es unter den bekannten Heimatforschern unserer Gegend, u. a. Müldener, Ketelhodt, unterschiedliche Auffassungen. Am wahrscheinlichsten ist wohl die Annahme, dass der Schutzpatron des hiesigen Klosters die Mutter Maria gewesen ist, „ihr zur Seite stellte man den heiligen Georgius, nach dem das Kloster seinen Namen erhielt“ /13/. Wie groß die Marienverehrung gewesen sein muss, erhellt die allgemein von dem Marienbild bekannte Sage, „dass es bei fröhlichen und glücklichen Begebenheiten rot, bei widerwärtigen Zufällen aber blass werden könne.“ /13/

 

Die Klosterfrauen waren Zisterzienserinnen, gehörten also einem Orden an, der um 1098 aus dem Benediktinerorden entstanden war. Wir müssen sie uns in einem weißen Ordenskleid vorstellen, über diesem trugen sie ein lang „herniederwallendes schwarzes Zeug (Scapulier) und auf dem Haupte über einem weißen Schleier einen schwarzen Flor.“ /13/.

 

Ihr guter Ruf, sie wurden wegen ihrer Frömmigkeit und Güte geachtet und gelobt, viele adelige Damen entschlossen sich zum Klostereintritt, veranlasste manche Herren, welche ebenfalls Klostergründungen vorhatten, sich Ordensfrauen aus dem Frankenhäuser Kloster zu erbitten. So gehörten Frankenhäuser Nonnen zu den ersten, die z. B. in Saalfeld, Kelbra, Kloster Capelle bei Seega einzogen.

 

Leider vernachlässigten die einst so frommen Frauen in späteren Zeiten diese christlichen Tugenden sehr. In dem durch viele Schenkungen reich gewordenen Kloster gewannen Üppigkeit und Verschwendung die Oberhand, Klosterregeln wurden missachtet, Zucht und Ordnung vergessen. Schon um 1456 wurde dem Grafen Heinrich von Schwarzburg überbracht, dass „die Nonnen zu Frankenhausen einen höchst unsittlichen Lebenswandel führten“, was ihn dazu veranlasste, den Erzbischof von Mainz, welchem das Kloster unterstand, zu ersuchen, „dass er jenes Kloster wieder auf die Bahn der Ordnung zurückbringen möchte.“ /3/

 

Viele Menschen in und um Frankenhausen, welche nicht zuletzt durch die zahlreichen Güter und Besitzungen, deren Aufzählung eine längere Liste ergäbe, in Abhängigkeit von der Klosterherrschaft geraten waren, blickten voll Hass auf die Völlerei und das Lodderleben dort. Dies spiegelt sich am volkstümlichsten in der bekannten „Sage von der Äbtissinnengrube“ wider: Nämlich, als sich wieder einmal eines der für Frankenhausen früher typischen schweren Gewitter über dem Gebiet entlud und drei Tage und drei Nächte tobte, zeigten alle auf das Kloster und machten dessen Bewohnerinnen für dieses „göttliche Strafgericht“ verantwortlich. Da sich augenscheinlich auch die Nonnen fürchteten, fielen sie auf die Knie und beteten, während ihre Äbtissin hinaus aufs Feld ging und Gott um Gnade anflehte. Die Vertiefung in der Kattenburger Gemarkung, ein geologisch erklärbarer Erdfall, wo sie letztendlich der Blitz erschlagen haben soll, nennt man heute noch die Äbtissinnengrube.

 

Nach dem Frankenhäuser Stadtsyndicus Müldener war die Klosterkirche reich an Heiligenaltären, namentlich als vornehmster natürlich der der Jungfrau Maria, aber auch der der Heiligen Anna und aller Apostel, der 12 Boten, aller Heiligen, St. Benedict, St. Georg, St. Johannis und der 10000 Märtyrer. Diese Heiligtümer bedienten sogenannte Vicare, deren Stellen seinerzeit sehr einträglich waren. Außer diesen männlichen Kirchendienern gab es aber auch Türmerinnen und Küsterinnen, welche für das Läuten der Glocken und die Ausschmückung des Kircheninnern verantwortlich waren.

 

Wie bei allen Jungfrauenklöstern stand auch in Frankenhausen ein Propst dem Kloster vor, der urkundlich bestätigt stets den Rang vor der Äbtissin erhielt. „Ihm war vornehmlich die Aufsicht über die Klostergüter anvertraut. Ferner lag ihm ob, zu wachen, dass die Nonnen den Gottesdienst regelmäßig besorgten, dass sie an Nahrung und Kleidung keinen Mangel litten, und endlich, dass die äußere Pforte des Klosters immer gehörig verschlossen wurde.“ /14/ Das alles setzte voraus, dass er zwar in der Nähe des Klosters wohnen musste, dort erscheinen durfte er aber nur in dringenden Fällen. Und so residierte er in dem Gebäude der sogenannten „Mainzer Propstei“ in der Klosterstraße 14.

Die namentlichen Verzeichnisse sowohl der Pröpste als auch die der Äbtissinnen beginnen erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, sind aber unvollständig.

 

Alle Klöster standen unter einem äußeren weltlichen sowie einem geistlichen Schutz. Schirmvögte in jenen unruhigen Zeiten waren für das Frankenhäuser Kloster bis ins 14. Jahrhundert die Klostergründer, die Beichlinger Grafen; mit Übernahme von Stadt und Kloster durch die Schwarzburger Grafen ging die Schutzvogtei auch an diese über.

 

In geistlicher Beziehung unterstand das Kloster wie fast alle Klöster in ganz Thüringen dem Erzbischof von Mainz, dem als der nächste Vorgesetzte der Archepresbyter in Frankenhausen folgte, allerdings wiederum unter dem geistlichen Gericht des Stiftes Jechaburg.

 

An diesem bestens durchorganisierten Reglement lässt sich der Stellenwert der Klöster im frühen Mittelalter und der Einfluss auf ihr Umfeld sehr deutlich erkennen. Dennoch kam die Zeit, da der äußere und innere Rückgang der Klöster nicht mehr aufzuhalten war. Es gingen mehr und mehr wertvolle Klostergüter verloren, wurden verkauft oder verschenkt. Die Klöster hatten weitestgehend ihre Bedeutung verloren und wurden im Zuge der Reformation völlig zur Auflösung gebracht. So breiteten sich auch in Frankenhausen spätestens seit dem Jahre 1536 unaufhaltsam die Lehren der Reformation aus. „Im Jahre 1543 erließ Graf Günther ein Reskript, nach dem die Klosterfrauen ihr Ordenskleid ablegen, die päpstlichen Ceremonien fahren lassen und die Gesänge von den Heiligen einstellen sollten.“ /13/ Nachdem auch noch die Messe gänzlich abgeschafft wurde, „gingen viele Nonnen aus dem Kloster und nahmen die evangelische Lehre an. Die anderen verblieben bis zu ihrem Ende im Kloster und bekamen standesgemäßen Unterhalt. Sie hielten ihren letzten Konvent 1551 und mit diesem Jahre ging das Kloster ein.“ /13/

Auch die Pröpste konvertierten und traten in den weltlichen Stand ein; dies tat 1536 als letzter Propst Johann Oley. Er verheiratete sich und brachte es sogar zu der achtbaren Stellung eines Bürgermeisters zu Frankenhausen.

 

Mit der Beendigung des Klosterlebens war auch das Schicksal der zahlreichen Klostergebäude besiegelt, zumal die meisten nicht mehr im besten Zustand waren. Bestand hatten das ehemalige Läutehaus und das Refektorium (Speisehaus der Nonnen), welche nun als Lehrerwohnungen und schulische Einrichtungen dienten. Das letztgenannte blieb Lyceum bzw. Knabenschule, wurde 1896 von dem Kyffhäuser-Technikum übernommen, dann abgerissen und auf diesem Grund ein neues Lehrgebäude (heute Kyffhäuser-Gymnasium, Teil II) erbaut.

 

Einige wenige noch sichtbare Mauerreste geben Zeugnis von dem einst dominanten Gemeinwesen. Die schmalen, dicht beieinander liegenden Zellenfenster lassen die klösterliche Abgeschiedenheit und Enge erahnen

 

Die Umschließungsmauer um Kirche und Friedhof, der ehemals nur für die Bestattung der Klosterbewohnerinnen gedacht, dann aber bis Ende des 16. Jahrhunderts noch allgemeine Begräbnisstätte gewesen ist, war teilweise noch bis 1866/67 vorhanden. Lt. Ratsakte 1/V-14 wurde sie zu diesem Zeitpunkt abgerissen.

 

Die Klosterkirche jedoch, obwohl durch Bauernkrieg und Verwahrlosung arg mitgenommen, wurde von der durch Schicksalsschläge und Brände arg gebeutelten, nunmehr reformierten Frankenhäuser Gemeinde als erste Zufluchtsstätte nach dem schlimmen Brande von 1546 genutzt. Da nämlich brannte die St. Jacobi Hauptkirche, ein wohl seinerzeit stattliches Gebäude auf dem Markt, gänzlich ab und wurde danach niedergelegt.

 

Mit Erhebung der vormaligen Klosterkirche zur evangelischen Hauptkirche im Jahre 1550 beginnt ein neues Kapitel, nämlich das der heutigen Unterkirche mit ihrem ebenfalls wechselvollen Schicksal.

 

 

 

 

Niederlegung der fast 400jährigen Klosterkirche,

Neubau und Abbrand dieser neuerbauten Kirche

 

(Zeitraum: 1596-1689)

 

Nur wenig wissen wir heute über das Frankenhäuser Zisterzienserinnenkloster und seine einstmals sehr reiche Kirche, und leider fließen die Quellen, die das Bild der nach der Reformation als evangelische Hauptkirche - Oberpfarrkirche - genutzten alten Klosterkirche erhellen könnten, nicht eben reichlicher.

 

Nach Pastor Schönau war „die Klosterkirche nach bald 400jährigem Bestehen so baufällig geworden, dass der Aufenthalt in ihr unsicher wurde. Sie musste deshalb teilweise niedergerissen werden. Eine Abbildung derselben ist nicht auf uns gekommen. Sie war in dem vom 13. Jahrhunderte an beliebt gewordenen deutschen, dem sogenannten gotischen Stil gebaut, wie die noch stehenden Pfeiler und Fensterbögen der Apsis und eine neulich im Grunde derselben gefundene jetzt neben der Kirche aufgestellte Thürbekleidung bezeugen. Sie ist etwas kleiner gewesen als die jetzige Unterkirche und lag innerhalb der viel später erst beseitigten Kloster-Ringmauer.“

 

Ein Abriss wurde daher unumgänglich. Als Glück für die Frankenhäuser Kirchgemeinde erwies sich, dass der Schwarzburger Graf Wilhelm I. sich seit dem Jahre 1579 ausschließlich seiner ihm durch Erbteilung zugefallenen Herrschaft, zu der auch Frankenhausen gehörte, widmete. Nach einer erlebnisreichen Jugend, in welcher er sein Weltbild durch Studien und Reisen in ferne Länder erweiterte, zog er sich mit seiner Frau Elisabeth, geb. von Schlick, letztendlich „von dem Verkehr mit der großen Welt zurück“ /2/ und machte Frankenhausen zu seiner Residenzstadt. Dort wirkte er nach Kräften zum Wohle der Stadt; er war übrigens während der langen Herrschaftsperiode der einzige Regent aus Schwarzburger Hause mit Wohnsitz in Frankenhausen. So verdankte ihm die Stadt eine Schulordnung und die Einrichtung der V. Klasse am Lyceum, er erließ eine neue Schützenordnung sowie eine Hochzeits- und Tanzordnung. Im Besonderen wurde er jedoch zum Beförderer eines Kirchenneubaus. Und diese neuerbaute Oberpfarrkirche sollte ihm und seinen beiden Gemahlinnen schicksalhaft zur letzten Ruhestatt werden. Da seine erste Frau Elisabeth am 23. November 1590 verstorben war, heiratete er am 6. Mai 1593 ein weiteres Mal, und zwar Clara, geb. Herzogin zu Lüneburg. Diese allerdings überlebte den Grafen und starb am 22. Oktober 1658 87jährig zu Heringen, ihrem Witwensitz.

 

„Am 23. August 1596 ließ Graf Wilhelm nach teilweiser Niederlegung der alten Klosterkirche....den Grundstein zu einer neuen Kirche setzen, bey deren Erbauung er ein großes ausgezahlet und gegeben und auch hefftig angereget hat, daß sie möchte fertig werden, damit er auch Gott seinen Dienst darinnen leisten möchte; aber es hat ihm nicht wiederfahren können. Die 1598 vollendete Kirche wurde mit seiner feierlichen Beisetzung eingeweiht.“ /2/ Sein Sarg wurde in die noch vorhandene Gruft im Kirchenboden des Vorgängerbaues neben den seiner Frau Elisabeth eingesenkt, viele Jahre später folgte dann die Bestattung seiner zweiten Gemahlin Clara.

 

 

Der Tod des Grafen entbehrt nicht einer besonderen Tragik, da er gerade an seinem Lieblingsorte, dem landschaftlich herrlich gelegenen Straußberg, wohin er aus Furcht vor der Pest geflohen war, von dieser am 30.9.1597 im 64. Lebensjahre eingeholt wurde.

 

Aussagen über Stil, Aussehen und Ausstattung dieser Kirche gibt es nur wenige. Lithograph Walter reproduzierte im 19. Jahrhundert aus einem Stich von 1650 eine ungefähre Ansicht (siehe Abb.) derselben. Schönau schreibt dazu: „Sie zeigt, daß das Gotteshaus eine der jetzigen Unterkirche ähnliche Gestalt, auf den Breitseiten je 6 mit einfachen Kapitälen versehene Säulen und 6 hohe rundbogige Fenster, in der Apsis Spitzbogenfenster und einen ziemlich niedrigen, in eine Spitze auslaufenden und mit Schindeln gedeckten Turm (die Steine dazu sollen von der Arensburg bei Seega stammen) hatte, der erst 1654 fertig geworden ist. Die innere Einrichtung der Kirche war in dem damals eben erst aus Italien herübergekommenen Barockstile hergestellt worden.....Die mit reicher, mannigfaltiger Sculpturarbeit und einem schwülstigen Dedicationspoem versehene Kanzel hatten die Gebrüder Wilhelm und Hartung Fischer und den ...Taufstein der Leibarzt und Hofapotheker des Grafen D. Lindemann geschenkt.“ /2/

 

Wie hier, so war die Ausschmückung des Kircheninneren von der Spendenfreudigkeit anerkannter Persönlichkeiten abhängig. Großzügige Zuwendungen gingen zumeist von den Verwandten derer ein, die in der Kirche eine letzte Ruhestätte fanden. Außer durch diese Nachrichten erfahren wir über das Innere nur noch aus den Niederschriften des Rektors Magister Hoffmann, der vieles aus der Stadtgeschichte seiner Zeit für uns durch sein Schrifttum bewahrt hat. So erfahren wir, dass es einen pyramidenförmig erbauten, mit Schnitzwerk und Malerei ausgeschmückten Altar gab, den bereits oben erwähnten marmornen figurenreichen Taufstein sowie eine Kanzel mit köstlichen Reliefen und ein Wilhelmsdenkmal, des weiteren eine über 2000 Taler geschätzte Orgel, die uralten Klosterglocken und eine viele seltene Werke enthaltende Bibliothek.

 

Dem in dem frommen Sinne des Grafen Wilhelm errichteten Kirchenneubau blieben während seiner kurzen Existenz Kriege und Katastrophen nicht erspart. - So wurde Frankenhausen im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges am 21. Oktober 1632 gegen 2 Uhr nachmittags von den Pappenheimern heimgesucht, „da denn alle Kirchen, das Schloß, das Rathhaus, Hospitale und Privathäuser in dreyen Tagen und zweyen Nächten ausgeplündert worden. Die Leute haben sich in das Gehölz und in die Fremde salvieren müssen. Man hatte die vasa sacra (Messgefäße) der Unterkirche in der Mauer an der Thür der unteren Sakristei, wo man nach dem Altare geht, wohl verwahrt. Allein die findigen Soldaten hatten sie entdeckt und geraubt.“ /2/ Bei ihrem Raubzug durch beide Kirchen (auch Oberkirche) wurde sämtliches bewegliche Kirchengut entwendet und vielerlei Zerstörungen angerichtet. An dieses Ereignis erinnert ein zinnerner Teller, der sich im Besitz der Kirchgemeinde befindet.

 

Der 17. September 1689 jedoch bedeutete das völlige Aus der mit soviel Mühe und Opfersinn neuerrichteten Kirche. Von diesem Schreckenstag für ganz Frankenhausen berichtet ebenfalls der Magister Hoffmann, dessen gerade erst fertig gewordenes Haus als letztes Opfer von den Flammen erfasst wurde mitsamt seiner vielseitigen Bibliothek. „In einem dem Gräfl. Schlosse benachbarten Heustalle war an jenem Tage zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags Feuer ausgekommen. Ein stürmischer Ostwind wälzte die Flamme in rasender Eile von Straße zu Straße und keine menschliche Hilfe vermochte ihrer zerstörenden Gewalt Schranken zu setzen. Das Schloß sank in Asche, nur als einzelne Trümmer ragte aus dem Schutte die Kapelle hervor. Der Wut des Feuers entging glücklicherweise die Schule, aber die daneben stehende prachtvoll erbaute Kirche nebst einem großen Teil der Kloster-Gasse wurden von demselben verzehrt.“ /2/. Eine alte Nachricht im Kirchenbuch gibt Auskunft über den angerichteten Schaden dieser schlimmen Brandkatastrophe. Danach sind nicht nur das Schloss und nahezu alle Nebengebäude, Klosterscheunen und viele Hofgebäude, die Unterkirche, sondern auch etwa 70 Wohnhäuser samt Scheunen und Ställen sowie die Bachmühle Opfer der Flammen geworden. Des Weiteren waren auch etliche Todesopfer zu beklagen.

 

Seit der Grundsteinlegung waren noch nicht einmal 100 Jahre vergangen und die evangelische Kirchgemeinde der Stadt Frankenhausen stand abermals vor den Trümmern ihres Gotteshauses und einem Neubeginn.

 

 

 

 

Grundhafte Erneuerung der abgebrannten Hauptkirche und Einweihung als Unterkirche am 10. Oktober 1703

 

Als Retter in der Not trat abermals ein Schwarzburger Graf auf den Plan. Graf Albert Anton, den das Kirchenbuch des Jahres 1703 als „Episcopus supremus“ bezeichnet, ist sich seiner Verantwortung als oberster weltlicher Schutzherr und als „Landesvater“ auch im geistlichen Bereich durchaus bewusst. Unter der Vormundschaft seiner Mutter - er verlor mit 5 Jahren seinen Vater - wuchs er in seine verantwortungsvolle Stellung hinein und leitete seit dem Jahre 1662 die Regierungsgeschäfte in seinem umfangreichen Herrschaftsbereich selbstständig. - Er titulierte als Herr Albrecht Anton, der Viergrafen des Reichs, Graf zu Schwarzburg und Hohnstein, Herr zu Arnstadt, Sondershausen, Leutenberg, Lohra und Klettenberg -. Ihm und seiner Frau Aemilie Juliane, die als geistliche Liederdichterin bis heute bekannt und geehrt ist, lag nach dem schweren Unglück der Wiederaufbau des zerstörten Gotteshauses sehr am Herzen.

 

Mit der Leitung des Baugeschehens wurde der Baumeister Richter aus Jena betraut. Dieser ließ die noch stehenden Mauern größtenteils niederreißen. Die neuen Grundmauern führte er im Süden „einige Ellen weiter als früher geschehen hinaus“, d. h. die heutige Unterkirche ist breiter als die ehemalige Klosterkirche, was allerdings aus bautechnischer Sicht Probleme mit sich brachte. Es verlängerte sich dadurch nicht nur die Bauzeit, es entstanden auch wesentlich höhere Kosten als geplant. Man war nämlich beim Herstellen des Fundamentes auf Grundwasser gestoßen. Bekanntlich war die süd-östliche Stadt Frankenhausen vom Ried umgeben, dessen Wasser bis zur Trockenlegung in unserem Zeitalter immer wieder in die Hauskeller und auch in die Gewölbe der Unterkirche eindrang. Bei dem Erweiterungsbau der Unterkirche versuchte man diesem Umstand Rechnung zu tragen und stützte das Fundament durch „viele eiserne und eichene Pfähle“ ab.

 

Kunde von der Errichtung des steinernen Baukörpers gibt eine im westlichen Türbogen angebrachte Inschrift:

„Im Namen Jesu Ao. 1691 ist an hiesiger Kirche, nachdem dieselbe durch Gottes Verhängniß ao. 1689, den 17. Sept., abgebrannt, wieder zu bauen angefangen und ist das Mauer- und Steinhauerwerk von Mstr. Hans Walthern und nach seinem Tode von dessen zwei Söhnen Mstr. Johann Friedrich und Johann Heinrich mit Gott verfertigt 1701“ /2/

 

Um die durch diese widrigen Umstände verursachten höheren Kosten bestreiten zu können, wurde der Plan gefasst, eine weiträumige Kollekte, die sich bis in den Raum Niedersachsen erstreckte, zu veranstalten. Allerdings waren die hierzu eidlich verpflichteten und entsandten Bürger Jakob Große und dessen Sohn Heinrich nicht sehr erfolgreich, denn die im heute noch vorhandenen Kollektenbuch verzeichnete Summe fiel dürftig aus. Und das, obwohl der Aktion ein Aufruf des damaligen Superintendenten Heinrich Hempel und eine Legitimation des Hochgräflichen Consistoriums vorausging. - Allerdings muss man bedenken, die Zeiten waren hart und die Not oftmals groß. Erinnern wir uns dabei im Besonderen an den Bericht des Magisters Hoffmann über den großen Brand im Jahre 1689, ein Inferno, dem nicht nur die Hauptkirche zum Opfer fiel, auch mehr als ein Viertel von Frankenhausen wurde in Schutt und Asche gelegt. Die Menschen brauchten dringend selbst wieder ein Dach über den Kopf, viele konnten ja nur das nackte Leben retten.

 

Trotzalledem war man entschlossen, das Werk zu einem guten Ende zu bringen. Als erster griff Graf Albert Anton noch einmal in seine Schatulle und spendete den Betrag von 1000 Talern[1] (Anm.: [1] Taler = seit 1566 reichseinheitliche Währung als Reichstaler = 3 Mark). Diese Summe war wie ein Tropfen auf einen heißen Stein, schlugen doch allein für den Arbeitslohn, den die Orgelbauerfirma North aus Rudolstadt für die Fertigung der Orgel zu bekommen hatte, 800 Taler zu Buche. Und so ließ man nichts aus und versuchte, die verschiedensten Hilfsquellen zu erschließen, als da waren, außer den relativ niedrigen Zuwendungen aus den verschiedenen Ämtern der Schwarzburger Herrschaft, z. B. 3080 Gulden[2] (Anm.: 2 Gulden = landschaftlich unterschiedliche Währung = 2/3 Taler).  aus dem sog. Gotteskasten der Stadt, die Einnahmen aus dem Klingelbeutel, welcher bei den Gottesdiensten herumgereicht wurde. All diese Summen wurden korrekt registriert, und so können wir heute nur staunen, dass z. B. bereits im Jahre 1690 trotz großer städtischer Armut 284 Gulden und 15 Groschen Spende im Klingelbeutel zusammenkamen.

 

Um noch fehlende Mittel aufzubringen, scheute man sich auch nicht, 1350 Taler von dem Stift St. Severi auszuborgen. Man appellierte auch an den mildtätigen Sinn der „Knechte“ (gemeint waren die Salzarbeiter), durch deren Spendenbereitschaft am 20. November 1702 der kupferne vergoldete Knopf auf den neuen, mit 4 Glocken ausgestatteten Turm aufgesetzt werden konnte.

 

Die damalige exakte Buchführung ist aus heutiger Sicht insofern interessant, da uns im Allgemeinen kaum Zahlen von Baukosten für Sakralbauten überkommen sind. Der Gesamtaufwand für die Unterkirche belief sich auf 16 430 Gulden und 6 Groschen.

 

Von Interesse für Vergleichszwecke könnten auch Angaben, die Freiherr von Ketelhodt  zu einigem Baumaterial und Lohnkosten im Maurerhandwerk macht, sein: „Die 468 Werkstücke zu den Fenstern, je 4 ½ Schuh lang und 2 Schuh breit, wurden im Nacken (Hainleite, I.M.) gebrochen; für jedes Stück wurden 5 Groschen gegeben und im Ganzen noch ein Thaler Doucoeur (Trinkgeld, I.M.). Die Maurermeister Walther, Suhle und Suphan übernahmen die Arbeit und bekamen für den Fuß Steinarbeit 1 Groschen, an den Fenstern 2 Groschen.“ /1, S. 44/

 

Aber auch nach Fertigstellung und Weihe der Unterkirche waren noch Beträge offen. Zur Begleichung dieser Bauschuld stiftete Aemilie Juliane, die Gemahlin des Grafen Albrecht Anton, ein Anlagekapital von 800 Talern. Unter dem Namen „Gräflich Julianisches Legat“ wurden die daraus erwirtschafteten Zinsen an Arme in Frankenhausen, Kelbra und Heringen verteilt.

 

Endlich nach 13 Jahren Bauzeit konnte am 10. Oktober 1703 die neu errichtete Unterkirche feierlich eingeweiht werden. Das Kirchenbuch berichtet von einer glanzvollen Feier in Anwesenheit des Grafenpaares und hoher Standespersonen.

 

 

Eigens zu diesem Anlass übernahm die gräfliche Kapelle die musikalische Umrahmung.

Die Predigt  hielt   Superintendent   Heinrich   Christoph   Ludwig  aus  dem  ganzen  Kapitel

1. Korinther 14 - Vom rechten Gebrauch der Geistesgaben und über die Ordnung bei der Gemeindeversammlung -.

 

Wenige Tage nach diesem Festakt konnte bereits über ein weiteres freudiges Ereignis berichtet werden, nämlich über die erste Taufhandlung in dem neuen Gotteshause. Das Taufbuch enthält folgende Eintragung: „1703 16. Oktober Elisabeth Margarethe, Tochter des Kühhirten Hans Jost Ludewig im Oberrevier ist zuerst in der neuen Kirche getauft worden.“. /14/

 

Die neuerbaute Kirche war in Dienst gestellt und damit wieder geistlicher sowie gesellschaftlicher Mittelpunkt des städtischen Gemeinwesens geworden.

 

 

 

 

Die Unterkirche - beeindruckendes Monument ornamentaler Barockkunst

 

Das Äußere der heutigen Unterkirche „erinnert in ihrem gelblich-grauen Steingewand nur zu sehr an das Düstere einer Klosterkirche“ /6/, und das, obwohl sie ja keinesfalls deren unmittelbare Nachfolgerin ist. So ist in der Tat, der erste Eindruck, den ein Fremder beim Anblick des wuchtigen Kirchengebäudes gewinnt, zumeist ein wenig einladender. Bisher jedoch war noch jeder Besucher des Gotteshauses stark beeindruckt von dem lichtdurchfluteten Aufbau und der schlicht barocken Schönheit des Innenraumes.

 

„Der Turm, nördlich vom Chor-Rechteck, mag noch romanischer Anlage sein. Der Chor.....ist spätgotisch mit einfachen, doch hübschen, einmal umgürteten Strebepfeilern, welche in Höhe der spitzbogigen, grossen Fenster mit Pultdächern enden.“ /15/. Gotische Relikte finden sich noch in der Verwendung spitzbogiger bzw. der beiden kleineren mehr rundbogigen Portale aus Vorgängerbauten, während das Westportal klassizistisch ist. Die äußere Gestalt des neuerbauten Langhauses ist dem Innenaufbau streng verpflichtet, besonders bei der Gestaltung der Fensterreihen. Hier entsprechen die jeweils rundbogig verblendeten, übereinanderliegenden Fenster den inneren Emporenreihen, für deren Helligkeit sie konzipiert sind. Aus diesem Grunde wirken sie weniger kunstvoll als mehr vom rationalistischen Geist jener Bauzeit beeinflusst.

 

 

Beim Eintritt in das Kircheninnere, von dem man einen „recht einheitlichen Eindruck“ gewinnt, ist man sogleich emotional sehr berührt und empfindet Hochachtung vor dem Baumeister. Man glaubt ohne weiteres, dass hier bei 13 000 cbm Rauminhalt Platz für 2000 Menschen ist. Die stattliche Raumwirkung wird durch „die in drei Reihen übereinander als organische Bauteile angeordneten Emporen mit Korbbögen auf starken Pfeilern“ erreicht. „Um die drei Emporen-Öffnungen übereinander nicht gleichwertig, sondern die unteren etwas weniger gelichtet erscheinen zu lassen, ist in geschickter Weise der hölzerne Einbau mit hübschen, candelaberähnlichen Säulchen über den Brüstungen und dem nur einen mittleren Bogenausschnitt freilassenden, durchbrochenen Akanthus-Schnitzwerk eingeschoben, was indessen etwas die Wirkung eines Theater-Zuschauerraumes im Gefolge hat.“ /15/ 

 

Den gleichen Eindruck ruft auch die Gestaltung der Westempore als zwei offene Rang-Balkons übereinander, unten auf Pfeilern, oben auf Säulen ruhend, hervor, wobei der imposante Orgelaufbau den krönenden Abschluss bildet. Allerdings wurden hier im Jahre 1960 bei Einbau eines Gemeinderaumes im Kirchenschiff Veränderungen vorgenommen. Der hier zitierte Prof. Lehfeldt, welcher Ende des 19. Jh. Jahrhunderts Kunstdenkmale im Schwarzburger Fürstentum zu begutachten hatte, äußerte sich zur Zeit der ersten Restaurierungsphase zu dem damals gerade aufzutragen begonnenen neuen, glänzenden Farbenschmuck mit seinen üppigen Vergoldungen dahingehend, dass dadurch „der mehr heiter festliche, als kirchlich ernste Charakter, den die Logen-Einteilung mit sich bringt“, hervorgehoben werde. /15/ Eine solch prächtige Innenausstattung fügt sich eigentlich nicht in das Erscheinungsbild einer Kleinstadt wie Frankenhausen, sie war wohl auch mehr dem Reputationsbedürfnis des regierenden Schwarzburger Fürstenhauses geschuldet. Allerdings fanden die Bürger Gefallen daran, und so wurde bei späteren Renovierungen diesem Geschmack wiederum Rechnung getragen, zumal sich dieser beeindruckende Raum auch heute noch für bedeutende Festveranstaltungen anbietet. An die ehemaligen Landesherren erinnern noch auf der Südseite des Chor-Rechtecks die Fürstenloge im ersten Emporengeschoß sowie das Schwarzburgische Wappen bzw. das Monogramm des Fürsten A. A. (Albert Anton), welche zu beiden Seiten des Chorraumes die obersten Korbbögen zieren. Folgen wir dem kompetenten Professor noch ein wenig bei seinem Rundgang durch das beeindruckende Kirchenschiff, das er ohne Emotionalität akribisch und sehr ausführlich beschrieben hat.

 

Zur Deckenbildung sagt er: „Die Holzdecke ist über dem Chor als Tonnengewölbe zwischen Gurtbögen gebildet; im Langhaus im Mittelraum flach, über den Seitenräumen als sich anschliessende halbe Tonnen.....Die Decke des Mittelraumes hat runde und rechteckige, mit Ausbuchtungen der Schmalseiten gebildete Stuckfelder, mit Lorbeerkränzen, Perlstäben und Akanthus in den Umrahmungen,...“. Die hier beschriebenen Stuckfelder werden uns später noch einmal beschäftigen, zum einen aus künstlerischer Sicht und zum anderen mit Blick auf die Wechselfälle des Zeitgeschehens. Beeindruckt zeigt sich Lehfeldt vom Schmuck der Orgel, über die ebenfalls im Weiteren detailliert zu berichten sein wird, und von der feinen Arbeit des Taufsteins aus weißem Marmor mit Trauben am Unterteil und überfallenden Blättern am Becken. Am durch korinthische Pilaster gestützten Altaraufbau, dessen Vorderfläche sowohl ein Abendmahl-Gemälde als auch ein großes Bild von der Auferstehung, beide von minderem kunsthistorischen Wert, zeigt, beeindrucken ihn wiederum die barocken Frucht- und Blätterornamente sowie die ebenfalls an der Kanzel wiederkehrenden Engelköpfe. Die Darstellung des Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes bezeichnet er zu Recht als manieristisch, dies entsprach dem Geschmack des 18. Jahrhunderts.

 

Bleibt Professor Lehfeldt in jeder Phase immer der nüchtern betrachtende und wertende Wissenschaftler, so kommen jene, die mit diesem sakralen Raum gefühlsmäßig mehr verbunden sind, ins Schwärmen, wenn sie den „Geheimnissen“ des Baumeisters auf der Spur sind. So der ehemalige Frankenhäuser Superintendent Dr. Ernst Deter: „Betrachten wir darum zuerst die Bogen unter der ersten Empore, und lassen wir unsere Augen von Bogen zu Bogen gehen. Sie sind flach und erscheinen wie niedergedrückt von der Last der Empore. Außerdem hat der Künstler sie angefüllt mit schönem goldenen Schnitzwerk, so dass sie nicht wie freie Bogen, sondern wie eine fein geschwungene Wand aussehen. Die Bogen über der ersten Empore aber schweben frei, sie sind runder und führen den Blick nach oben. Die Bogen über der zweiten Empore aber sind noch leichter und schwebender! ........ - Wenn wir aber nun zur Decke sehen, haben wir da nicht dasselbe Gefühl, das man unter freiem Himmel hat?“ /5/. - Wer beim Verlassen des Hauses ein wenig von dieser Sicht verinnerlichen konnte, wird wahrscheinlich abfälligen Bemerkungen mancher Zeitgenossen diese neu gewonnene Einsicht entgegensetzen.

 

 

 

 

In dicken Kirchenbüchern geblättert

 

(Zeitraum 1703 - 1903)

 

Wenn man sich beim Anblick oft weniger Mauerreste von Bauwerken längst vergangener Zeiten, von denen uns keine schriftlichen Zeugnisse überliefert sind, wünschte sie könnten reden, danken wir es heute den fleißigen und akribischen Berichten dicker Kirchenbücher, wenn wir Freud und Leid der Gotteshäuser und ihrer Gemeindeglieder nachvollziehen können.

 

Bedrohten z. B. Kriege das Land, so wurden stets auch die Kirchen in Mitleidenschaft gezogen, sei es durch Raub und Plünderung; so geschehen in der Unterkirche während des Dreißigjährigen Krieges am 21. Oktober 1632 durch die Pappenheimer Truppen, oder durch Missbrauch der sakralen Räumlichkeiten als Gefängnisse oder Lazarette wie u. a. im Jahre 1760 während des Siebenjährigen Krieges oder später als 1806 von Franzosen gefangene Preußen eingesperrt waren. Und bis in die jüngste Vergangenheit wurden die Kirchenglocken immer wieder Opfer kriegerischer Ereignisse; dies ist ein Kapitel für sich. Und ebenfalls bis heute interessieren sich Einbrecher für die meist kunstvoll und aus wertvollem Material angefertigten heiligen Gefäße oder andere sakrale Kunstwerke. Glücklicherweise führte ein im Jahre 1709 versuchter Einbruch in die Sakristei der Unterkirche zu keinem Ergebnis.

 

Selbst ein so stabiles wuchtiges Gebäude wie die Unterkirche brachte nicht nur Menschenhand in Gefahr; nachdem sie nach einer Feuersbrunst gerade erst wiedererstanden war, bedrohte sie am 8. Dezember 1703 „ein solcher großer Sturmwind des Nachmittages um 2 Uhr, desgleichen kein Mann allhier, der es gedenken könne, und hat bei der neuen Kirche den ganzen First abgedecket und dadurch das Dach wohl an zweitausend Ziegeln verderbet...“ /13/

 

Nicht selten boten in Kriegsläuften die dicken Mauern kirchlicher Gebäude bedrohten Menschen Schutz, ebenso häufig aber luden sie nicht nur zu familiären Höhepunkten, wie Taufe, Konfirmation, Trauung, ein, sondern auch zu besonderen feierlichen Anlässen, die Stadt und Land gleichermaßen verbanden.

 

Und so konnte man am 11. Oktober 1903, dem 200. Jahrestag der Kirchweihe, bereits in einem mit Einträgen über wichtige Feierlichkeiten prall gefüllten Kirchenbuch nachlesen. Als erste Veranstaltung in der neugeweihten Kirche wurde das zweihundertjährige Jubelfest der Reformation am 17. Oktober 1717 zu einem dreitägigen Ereignis; welches abermals 100 Jahre später eine Entsprechung fand. Eng damit verknüpft, wurde im Jahre 1730 der 200 Jahre zurückliegenden Augsburgischen Konfession[3] (Anm.: 1 Bekenntnisschrift zur lutherischen Glaubenslehre und Kirchenordnung) feierlich gedacht. Weit in Land und Reich weisende Geschehnisse, wie die Kaiserwahl Franz I. ebenfalls 1730 oder die Aufnahme des Schwarzburgischen Fürsten Johann Friedrich 1754 in den Reichsfürstenrat, waren auch in einer kleinen Provinzgemeinde Anlass für Dankgottesdienste oder ein Te Deum.[4] Volksfestartigen Charakter nahm im Jahre 1883 die Feier des vierhundertjährigen Gedächtnisses des Geburtstages des Reformators Dr. Martin Luther an. Aus diesem Anlass wurde vor der Unterkirche die Lutherlinde, die allerdings am 31.10.1917 durch einen neuen Baum ersetzt werden musste, gepflanzt.

 

Eine Kirche, die unter dem Patronat eines Reichsfürsten, dies war in Frankenhausen das Schwarzburg-Rudolstädtische Fürstenhaus, steht, wird stets auch dessen Anlässen gerecht werden, so geschehen im Jahre 1869 anlässlich der Trauerfeierlichkeiten zum Ableben des Fürsten Albert Anton. Auch der kriegerischen Ereignisse des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und der Reichsgründung wurde in den Gottesdiensten der Frankenhäuser Gemeinde gedacht.

 

 

 

Die ersten deutschen Musikfeste zu Frankenhausen

 

Zu einer Institution, welche die Unterkirche zu Frankenhausen deutschlandweit bekannt werden ließ, sind die durch Kantor Bischoff begründeten Ersten Deutschen Musikfeste geworden. Eine im Jahre 1904 angebrachte bronzene Ehrentafel erinnert am Turm der Unterkirche daran:

 

                                                    IN DIESER KIRCHE VERANTSTALTETE

                                                    KANTOR JOHANN GEORG FRIEDRICH

                                                                              BISCHOFF

                                                   DIE ERSTEN DEUTSCHEN MUSIKFESTE

                                                           1804       1810       1811       1815

 

Und spätestens seit damals ist es Tradition, „diesen herrlichen Konzertsaal“ auch bei anderen als nur geistlichen Anlässen zu nutzen. Den zitierten Ausspruch nämlich tat seinerzeit der berühmte Konzertmeister und Dirigent Ludwig Spohr, von der wunderbaren Akustik im Innenraum der Kirche überzeugt; zuvor hatte er die Kirche bei ihrer Außenansicht als „großen Schafstall“ bezeichnet. Ähnlich empfand fast 200 Jahre später der Kreuzchorkantor Professor Flämig.

 

Mit Georg Friedrich Bischoff, geboren in Ellrich am Harz, traf ein junger, musikbegeisterter Kantor auf ein interessiertes musikalisches Laienschaffen in der kleinen Ackerbürgerstadt, das er verstand, gemeinsam mit dem befreundeten Stadtmusikus Löscher, zu einer großen Volksbewegung zu initiieren, wobei man seine Ausdauer, seinen Fleiß und vor allem seinen Wagemut, er unternahm ja alles auf eigene Rechnung und Gefahr, bewundern muss. Im Jahre 1804 führte Bischoff im Zusammenwirken von insgesamt 106 Instrumentalisten und Chorsängern, zumeist Laien und wenigen Berufsmusikern, Haydns „Schöpfung“ auf, eine Aufgabe, hinter der ein enormer Arbeits- und Organisationsaufwand stand.

 

Nachdem die durch den Durchzug der Napoleonschen Truppen verursachten Unruhen eine kontinuierliche Fortführung der so hoffnungsfroh begonnenen Musikfeste einige Jahre unmöglich machten, gab Bischoff nicht auf und setzte im Jahre 1810 alles daran, für ein erneutes Fest große Orchester und Sänger sowie Chöre im weiten Umkreis zu gewinnen. Vor allem gelang es ihm, Ludwig Spohr für die Sache zu begeistern. Tausende Menschen, Mitwirkende und Zuhörer, wuchsen zu einer Sangesgemeinschaft zusammen, die bereits erste Signale gegen die Napoleonsche Fremdherrschaft setzte. Musikbegeisterung führte im Jahre 1810 200 Mitwirkende und im Jahre 1811 bereits 240 Teilnehmer zusammen, und durch beide Feste war Bischoffs Name zum Begriff in der Musikwelt geworden. Das brachte ihm den ungeliebten Auftrag seitens des Kaiserlich-Königlichen Gouvernements Erfurt ein, 1811 und 1812 zwei weitere Musikfeste zur Verherrlichung Napoleons in Erfurt zu organisieren. Mit umso größerer Begeisterung veranstaltete er nach der Verjagung des französischen Kaisers aus Deutschland das nächste Musikfest in Frankenhausen in altbewährter Manier, und zwar als „Deutsche Siegesfeier der Tonkunst zu Frankenhausen, am Schluss der Gedächtniß-Tage der großen Völkerschlacht, den 19ten und 20ten October 1815“. Dies allerdings wurde das letzte Musikfest in Frankenhausen, denn trotz großer Namen von Musikern und Dirigenten, auch Ludwig Spohr sagte wieder seine Teilnahme zu, wurde es zu einem finanziellen Fiasko und führte Bischoff an den Rand einer selbstmörderischen Verzweifelungstat. Ursache dieses Misserfolges waren vom Befreiungskampf zurückkehrende marodierende Truppenteile, welche die Bevölkerung verunsicherten und von der Beteiligung abhielten. So kann man Kantor Bischoffs Erleichterung verstehen, als er den Ruf nach Hildesheim ans Andreanum erhielt. An der Idee zur Durchführung Deutscher Musikfeste, deren Wiege in der Unterkirche zu Frankenhausen stand, hielt er jedoch fest. Sie verbreitete sich im ganzen deutschen Raum und hat die Zeiten überdauert.

 

 

 

Erste große Verschönerungskur (1885/86)

 

Erinnern wir uns der mühsam und unter großen Opfern zusammengebrachten Taler und Gulden, durch welche ein Neubau an Stelle der abgebrannten Hauptkirche in den Jahren 1691 bis 1703 überhaupt möglich geworden war. Wir haben die meisterliche architektonische Leistung der damaligen Baumeister bewundert, die insbesondere im Innenraum einen ganz individuellen baukünstlerischen Ausdruck fand. Bedenkt man weiter, wie unter dem Druck der knappen Geldmittel dennoch ein so schönes Bauwerk entstehen konnte, versteht man, dass gewisse Einsparungen am Interieur erforderlich gewesen waren, die im Laufe der Zeit als Mängel an den Gestühlen, Türen, Fenstern, am Altar, an der Orgel, an dem Fußboden in Erscheinung traten. Aus diesem Grunde und sicher auch schon in frühzeitiger Sicht auf das 200. Jubiläumsjahr trug man sich mit Plänen zur Renovierung. Heutzutage stößt manch einer, wenn er an die umfangreichen Sanierungsarbeiten bis zum 300. Entstehungsjahr denkt, den Seufzer aus: „Ach, hätten wir doch auch einen Wilhelm Schall!“. - Und in der Tat waren die von ihm 1885 gestifteten 15000 Mark - eine ernorme Summe, welche er später noch aufstockte - die Grundvoraussetzung für den Beginn der Arbeiten.

 

Am 17. Oktober 1886 konnte eine zahlreich versammelte Gemeinde in einer durch neuen Farbanstrich strahlenden Kirche alle durchgeführten Maßnahmen bewundern. Die Farbgebung hielt sich in den Tönen hell- bis dunkelgrün mit Verzierungen innerhalb der Bögen und im Chorraum. Schon der Gang zur Kirche war durch einen mit Sandsteinplatten ausgelegten Weg bequemer geworden. Die alten Kirchentüren waren durch würdigere ersetzt und durch innere Türflügel als Kälteschutz komplettiert worden, wodurch der innere Raum gegen den Rundgang an der Wand abgeschlossen und ein nützlicher kleiner Vorraum geschaffen war. Der vollständig isolierte Fußboden, in den Gängen mit Steinplatten, in den Gestühlen mit Dielen ausgelegt, sorgte jetzt für ein gesünderes Raumklima. Im Altarraum wurde der Boden mit Mosaik belegt. Auffälligste Neuerung waren die 4 farbigen Glasfenster in gotischer Umrahmung, welche die früheren einfachen Fenster der Apsis ersetzten und die vier Evangelisten Mathäus, Markus, Lukas und Johannes darstellen. Diese mussten in jüngerer Zeit repariert werden, da Unvernunft von außen zerstörerisch wirkte. 

 

Neue Kronleuchter und ein mit Lila-Plüsch neu bekleideter Altar zogen die Gemeinde in den Bann einer besonders feierlichen Atmosphäre. Die schon im Jahre 1884 auf Kosten von Wilhelm Schall eingebaute Heizung wurde dankbar als sehr wohltuend empfunden.

 

Beim Erklingen der fast vollständig neuen Strobel-Orgel, für deren Erneuerung wiederum Wilhelm Schall mit einer Summe von 13424,96 Mark aufgekommen war, konnte man dem Gedenktag des 200 jährigen Bestehens der Unterkirche am 11. Oktober 1903 zuversichtlich entgegensehen.

 

Interessant für den Historiker ist die Tatsache, dass man unvermuteterweise bei den Arbeiten im Altarraume auf das Grabgewölbe, welches die sterblichen Überreste des Grafen Wilhelm I. von Schwarzburg  und seiner beiden Frauen enthielt, stieß. Die dabei geborgenen Gegenstände, namentlich den Schmuck der Gräfin Elisabeth, seiner ersten Ehefrau, übergab man dem nunmehr regierenden Fürsten Georg.

 

 

 

 

Zur Kirchweihe der am 17.10.1886 frisch renovierten Kirche schrieb der bis heute in Bad Frankenhausen bekannte Kantor Carl Friedrich Gebicke nachstehendes Gedicht:

 

 

                                      

Die Kirche

 

Carl Friedrich Gebicke

 

 

Nun steht sie da, geschmückt wie eine Braut.

Ein gastlich Haus uns Schwachen und Verirrten.

Wo Trost und Kraft und Licht herniedertaut

Durch Gottes Wort vom treuen Seelenhirten.

Ihr ehr’ner Mund ruft hell mit lautem Schall, -

Die Gäste zu dem Hochzeitsmahl zu laden, -

Den Armen wie den Reichen überall:

„Kommt Alle, die mühselig und beladen!“

 

Hier tönt der neuen Orgel voller Klang

Zum hohen Lied in herrlichen Akkorden

Und gibt die heil’ge Weihe dem Gesang,

Die recht Weise den gesung’nen Worten.

Und wer zur Andacht hier zum Heiland tritt,

der geht gestärkt hinaus ins ernste Leben

Und nimmt von ihm noch die Verheißung mit:

„Glaub’ nur, so sind die Sünden dir vergeben!“

 

So lenkt nun fleißig euren Pilgerlauf,

Ihr Beter, zu dem frischen Lebensbronnen,

dann tut sich euch im Geist der Himmel auf,

es leuchten Euch die gold’nen Gnadensonnen!

Und sanft legt sich des Heilands Hand auf’s Herz

Und führet euch nach kurzem Erdenwallen,

befreit von jedem Kummer, jedem Schmerz,

erlöst hinauf in Salem’s heil’ge Hallen.

 

 

 

 

 

Glockenschicksale

 

Jetzo mit der Kraft des Stranges

Wiegt die Glock mir aus der Gruft,

Dass sie in das Reich des Klanges

Steige, in die Himmelsluft.

Freude dieser Stadt bedeute,

F r i e d e  sei ihr erst Geläute.

(Schiller)

 

 

Seit Jahrhunderten begleitet der Klang der Kirchenglocken die Menschen durch schicksalhafte Höhen und Tiefen. Er ist uns so vertraut geworden, dass er auch im Falle seines Ausbleibens von jenen Menschen vermisst wird, die ihn nicht mehr als Ruf zum Gottesdienst verstehen. Als wegen dringend notwendiger Reparaturen am Glockenstuhl im Jahre 1997 kein Vesperläuten vom Turm der Unterkirche zu vernehmen war, fehlte vielen Bürgern die nötige Einstimmung auf einen behaglichen Feierabend. Und nicht zuletzt aus dieser jüngsten Erfahrung heraus wird uns verständlich, dass die Geschichte der Glocken in der Kirchen- und auch Stadtgeschichte ein besonderes Kapitel darstellt.

 

Von Katastrophen, Zerstörungen und durch Opferbereitschaft immer wieder ermöglichten Glockenweihen berichten die Annalen, und auch von der großen Anteilnahme der Bürgerschaft, die ihr eigenes Schicksal häufig mit dem der Glocken verknüpft sah.

 

 

Freiherr von Ketelhodt /1/ hat in seinen Aufzeichnungen zur neuerbauten Kirche auch über die Geschicke ihrer Glocken berichtet: „Auf den Turm kamen vier Glocken. 1751 zersprang beim Läuten die Sermone, die zweitgrößte Glocke. Der Glockengießer Johann Heinrich Brauhof in Nordhausen lieferte eine neue;....1765 wurde die Kurrendeglocke schadhaft. Man ließ aus ihrem Metall eine kleinere für die Oberkirche bestimmte Glocke gießen...“, und aus den Resten der vormaligen, beim Brand 1759 zerschmolzenen Oberkirchturmglocke fertigte man eine neue Kurrendeglocke. „Diese zersprang schon im Jahre 1777 und wurde von Johann Mayer in Rudolstadt umgegossen. 1835 zersprang die größte Glocke....; 1837 wurde die neue große, der Ehre Gottes geweihte Glocke aufgezogen. Inzwischen war im Jahre 1836 auch die kleine Glocke gesprungen; noch in demselben Jahre wurde von J. Mayer in Rudolstadt eine neue Glocke geliefert. Dann sprang wieder die große Glocke im Jahre 1869 beim Trauerläuten wegen des Ablebens des Fürsten Albert. Am 9. Mai 1880 wurde die von den Gebrüdern Ulrich in Apolda umgegossene Glocke unter großen Feierlichkeiten wieder aufgezogen. Schließlich bekam am 2. Osterfeiertage 1884 die Sermone beim Ausläuten einen Sprung. Da auch die große Glocke wieder Schäden zeigte, beschloss der Stadtrat, alle vier Glocken an die Firma Radler & Söhne in Hildesheim zu veräußern und von ihr drei neue Glocken zu beziehen. Das neue Geläute kam am 8. September 1884 an und wurde nach einer kurzen Feier unter Mithülfe vieler rühriger Hände aufgezogen. Beim Probeläuten am 13. September 1884 hätte sich fast ein Unglück zugetragen, weil sich die zweitgrößte Glocke infolge zu starken Hinaufläutens aus der Pfanne hob und auf dem Balkenwerke ein gutes Stück vorwärts rutschte. Die große Glocke wurde noch mit einer Tretvorrichtung versehen und am 14. September 1884 fand dann das Glockenfest statt.“ - Und dieses Fest ist Ausdruck dafür, wie stark sich die Menschen mit „ihren“ Glocken identifizierten. Die ganze Stadt war auf den Beinen und veranstaltete feierliche Umzüge, die Unterkirche konnte die Menschenmenge, die herbeigeströmt war, kaum fassen.

 

Der sachliche Bericht des Chronisten zeigt aber auch, welch Wechselfällen die „ehernen Münder“ der Gotteshäuser ausgesetzt waren, zumal auch dem gerade aufgezogenen Geläut keine lange Lebensdauer beschieden war. Dieses läutete nämlich nicht nur den Ersten Weltkrieg im Jahre 1914 ein, sondern fiel ihm kurz vor seinem Ende im Oktober 1918 selbst zum Opfer, indem die beiden größeren Glocken (180 cm und 120 cm im Durchmesser) zum Einschmelzen für Kanonenguss abgegeben werden mussten. Das war ein schmerzlicher Verlust, und der Wunsch der Kirchgemeinde, nach Jahren schlimmer Not die alten Glocken wieder neu erstehen zu lassen, verständlich. Glücklicherweise besaß die Glockengießerei Radler & Söhne in Hildesheim noch die Maße und Zeichnungen der 1884 gegossenen Glocken, wodurch die Chance bestand, die neuen Glocken den alten anzupassen. Am 30. April 1926 konnte diese Vision Wirklichkeit werden, der Glockenneuguss erfolgen. Dieses feierlich-weihevolle Ereignis wollte man selbst miterleben und entsandte eigens dazu eine 23köpfige Delegation nach Hildesheim. Die Einbringung der per Zug angelieferten fertigen Glocken gestaltete sich am 14. Mai des Jahres 1926 zu einem wahren Triumph, der am 17. Mai beim Aufzug auf den Turm in einem weiteren Höhepunkt gipfelte.

 

Leider währte aber auch diese Freude nur kurz; nachdem der Klöppel der mittleren Glocke, welcher am 21.3.1932 gebrochen war, wieder hergestellt werden konnte, holte im Jahre 1940 der Zweite Weltkrieg wiederum die beiden großen Glocken vom Turme. - Selten also war es den Glocken gegeben,  „Frieden“  einzuläuten, ein Wunsch, den Friedrich Schiller „seiner Glocke“ mit auf den Weg gegeben hatte.

 

Eine durch die Reichsstelle für Metall durch SS-Oberführer Zimmermann an alle Kirchgemeinden des Reichs herausgegebene Verfügung bedeutete auch für zwei der bronzenen Frankenhäuser Glocken das Aus, lediglich die kleinste durfte als „Läute“glocke belassen werden. Dementsprechend kleinlaut wurde damit im Mai 1945 die Kapitulation Deutschlands verkündet. In die Freude über das Kriegsende mischten sich Verunsicherung, Leid, Hunger und Not, begleitet von vielen Krankheiten. Existenzangst ging um. So nimmt es nicht wunder, dass erst nach 19 Jahren der verwaiste Kirchturm wieder ein vollständiges Geläut erhielt. Zwar konnte auch der größte Opferwille der Gemeindeglieder den Verlust des besonders harmonisch tönenden Bronzegeläutes nicht wieder gutmachen, dennoch brachte man die Mittel für zwei neue größere Glocken aus Eisen auf; allein innerhalb von 2 Jahren wurden 18000,- Mark gespendet. Alle legten mit Hand an, vorrangig Handwerker aus der Stadt, als am 22. Juli 1959 die von der Glockengießerfirma Schilling in Apolda gegossenen Glocken hier eintrafen. Selbstverständlich wurde auch die Glockenweihe am 27. September 1959 ein besonders feierliches Ereignis - und von diesem Tage an erklingen zu allen kirchlichen Anlässen und regelmäßig zur Vesperzeit um 18,00 Uhr diese „neuzeitlichen“ Glocken in den Tönen cis - dis - f.

 

Wie sehr sich die Menschen dem Klang der Glocken zugetan fühlen, dokumentiert noch heute der hölzerne Glockenturm, welcher im Jahre 1952 in der Thomas-Müntzer-Siedlung, einer dörflichen Gemeinschaft von Neubauern am Rande der Stadt Frankenhausen, errichtet wurde. Sie nämlich beklagten sich, dass sie wegen der großen Entfernung leider den Ruf der Glocken vom Unterkirchturme nicht hören könnten. So legte man zusammen, errichtete einen transportablen Turm und erstand eine von Hans Fux im Jahre 1576 gegossene bronzene Glocke. Die Weihe dieser kleinen Kostbarkeit ist dem Konfirmandenjahrgang 1952 sicher noch im Gedächtnis verblieben, sie wurde eingebunden in die Feier zur Aufnahme der Jugendlichen in die Kirchgemeinde.

 

 

 

 

Die Strobel-Orgel - eine betagte „Königin“ der Instrumente

 

Die Strobel-Orgel in der Unterkirche wurde schon von dem Hoforganisten Gottschalg aus Weimar in seinem 1886 angefertigten Abnahmebericht als „ein in jeder Hinsicht wohlgelungenes, vortreffliches und annehmbares Werk, das nicht nur zu den allerbesten in Thüringen, sondern auch zu den vorzüglichsten in ganz Deutschland gehöre“ bezeichnet; ein Urteil, dem sich die Orgelbauermeister Jehmlich aus Dresden auch noch im Jahre 1954 (Schreiben vom 20. Mai) anschließen konnten. „Ganz prächtig wirkt das alte Barock-Orgelgehäuse und die Kirchgemeinde kann sich besonders freuen, hier mit den starkwandigen Zinnpfeifen ein besonderes Kleinod zu besitzen. Dieses Werk steht unter Denkmalschutz, und es ist notwendig, dass diese Orgel der Zukunft als klingendes Denkmal erhalten bleibt. So können wir wohl sagen, daß diese Orgel eines der schönsten und ältesten Orgelwerke in Thüringen ist.“

 

 

In ihrer Grundsubstanz ist die Orgel genauso alt wie die Unterkirche selbst, denn sie wurde ebenfalls im Jahre 1703 durch den Orgelbauer Johann Nordt aus Rudolstadt fertiggestellt und tat ihren Dienst bis zum Jahre 1843. Als sich eine gründliche Sanierung erforderlich machte, beauftragte man die Firma Schulze in Paulinzella damit, und diese schickte ihren Mitarbeiter Julius Strobel nach Frankenhausen. Das Ergebnis seiner Arbeit war so überzeugend, dass er sich als Meister in Frankenhausen niederlassen und eine eigene Firma gründen konnte, die bis in die dreißiger Jahre des 20. Jh. von seinen Söhnen weitergeführt werden sollte. Ihm war es leider Jahrzehnte später nicht mehr vergönnt, die Orgel nach seinen Plänen nochmals umzubauen; nach seinem Tode setzten seine Söhne das Werk in seinem Sinne fort. Als am 17. Oktober 1886 die großzügig renovierte Kirche feierlich geweiht wurde, erhielt auch die Orgel, heute nur als die Strobel-Orgel bekannt, ihre Weihe.

 

Im Zuge einer nochmaligen Innenraumerneuerung im Jahre 1934 konnte auch die Orgel gründlich gereinigt und eine neue Pedalklaviatur eingebaut werden. Im Jahre 1956 wurde das Instrument von der bereits zitierten Fa. Jehmlich generalüberholt, und zwei einfüßige (hoch klingende) Register wurden eingebaut. Bis in die die jüngste Zeit wurden teils ausgedehnte technische Rekonstruktionen oder Reparaturarbeiten, teils aber auch Pflegearbeiten durchgeführt; drei neue Zungenregister wurden eingefügt sowie eine Generalreinigung und Holzwurmbekämpfung vorgenommen. - Dennoch wird ein Bewunderer des an sich guten Klanges der Orgelpfeifen die Altersschwächen der Orgel nicht überhören können. Die herausragende Qualität des Instrumentes lässt es von ganzem Herzen wünschen, dass die finanziellen Mittel für eine abermalige Generalüberholung aufzubringen sind.

 

 

Wer sich für die technischen Einzelheiten des Orgelwerkes interessiert, dem sei eine Erläuterung und Vorführung durch den Kantor der Kirchgemeinde empfohlen, denn, wer die Strobel-Orgel einmal gehört hat, wird sich von ihrem altväterlichen Charme überzeugen lassen.

 

 

 

 

Ein neues Gewand für die Unterkirche im Jahre 1934

 

Wie sehr ein alt-ehrwürdiges Gebäude, unsere Unterkirche, für erlebte Geschichte schlechthin, jedoch für Zeitgeschichte im besonderen steht, konnte man im Jahre 1934 erfahren. Studiert man zeitgenössische Dokumente /6/, spürt man, wieweit die weltliche Macht in den zutiefst geistlichen Bereich selbst der dicken Kirchenmauern gedrungen war. Über dem zweifelsfrei von der gesamten Kirchgemeinde und den Frankenhäuser Bürgern sehr begrüßten Ereignis der Kirchweihe nach einer sehr umfangreichen Restaurierung des Innenraumes breiteten sich Schatten aus. Am Sonntag, dem 30. September 1934, nämlich reichten die 2000 Plätze im Kirchenraum nicht aus, weshalb er eingeteilt werden musste nach Organisationen, Gruppen und Verbänden. „Den Ordnungsdienst versah die SS“. Als unter dem Klang der Orgel die Fahnenabordnungen der nationalsozialistischen Wehrverbände und Organisationen, des Stahlhelms, der Polizei, des Kriegervereins....einzogen und sich rechts und links vom Altar gruppierten, „erhob sich die Gemeinde von den Plätzen, die Hand zum Gruße gehoben.“

 

 

Das im Aufwind befindliche nationalsozialistische Regime setzte auf Demagogie. „Arbeit und Brot“ war der Köder für die durch lange Arbeitslosigkeit entmutigten Menschen - ein neues Gewand für die Kirche ein Lichtblick für die Kirchgemeinde. - Und so wurde von 60 Arbeitskräften in ungefähr 20 000 Arbeitsstunden für den niedrigmöglichsten Betrag von 31500 Reichsmark eine noch heute bewundernswerte Innenraumerneuerung geleistet; leider hat inzwischen der „Zahn der Zeit“ sehr an der damaligen Schönheit genagt. Zu den bisher durchgeführten Restaurierungen haben die jeweiligen Berichterstatter es niemals versäumt zu betonen, dass vorrangig einheimische Handwerker beschäftigt wurden. Die Arbeiten 1934 wurden nach dem gleichen Gedanken vergeben, neu war die überaus straffe Organisation, die darin gipfelte, dass man zeitweilige Genossenschaften bildete, in denen z. B. die Maler der Stadt gemeinsam unter dem zum Obermeister ernannten Oskar Haselhuhn zusammengeschlossen waren. In gleicher Weise zogen die Elektriker, Tischler, Zimmerleute am gleichen Strang. Die künstlerische Gesamtleitung übernahm der Weimarer Kunstmaler Jürgen Wegener, der sich, „die Kunst geht nach Brot“ (Lessing), mit einem relativ geringen Entgelt zufrieden geben musste. Obwohl durchaus sehr talentiert, wovon man sich noch heute überzeugen kann, musste er sich wohl auch noch ideell „verbiegen“, indem er Hakenkreuzgirlanden gestaltete und einige seiner Figuren in SA- bzw. HJ-Uniformen kleidete. Damit schuf er ein Problem für die Überlebenden der großen Weltkatastrophe. Im Jahre 1949 übernahm im Auftrag seiner Firma Felix Schröder/Domke der bekannte Frankenhäuser Maler Fritz Wallrodt, damals ein junger, wendiger Mensch, die gefährliche Aufgabe, die beträchtliche Höhe zur Decke auf schwankenden Gerüsten zu überwinden, um das Habit dieser Gestalten zu verändern.

 

 

Das Ergebnis allerdings konnte sich sehen lassen und ist auch heute noch bewundernswert. Umso trauriger stimmt jetzt der bröckelnde Putz an allen Ecken und Enden, hier tut Hilfe dringend Not. Bei allersparsamstem Materialeinsatz ist es seinerzeit gelungen, den altersgrauen Anstrich in frische, helle Farben zu verwandeln. Ein begeisterter Berichterstatter /6/ schildert seine Eindrücke so: „Helligkeit, lichte Farben, das ist der Leitsatz, der die Bauleitung beseelte. Grau-weiß-grün ist der Farbton, Gold der Glanz...Vom lichten Grau ansteigend erhellt sich der Farbton von Empore zu Empore, um schließlich im lichten Grau-Weiß an der Deckenwölbung auszulaufen.“ Ein Übriges zur Hebung des Gesamteindrucks tat noch die Entfernung der alten Kronleuchter und die Installation von 60 elektrischen Kugellampen. Ein besonderes Schmuckstück wurden die Schnitzereien, welche die Strobel-Orgel zieren. Sie erstrahlen seitdem in prallbunten Farben und reichem Blattgoldschmuck. Auch das Wappen und Monogramm des Schwarzburger Fürstenhauses wurden wieder wie neu.

 

Als besondere bauliche Maßnahme sei zu erwähnen, dass damals von der mittleren Empore aus ein Zugang zu der Fürstenloge unter enormen Arbeitsaufwand geschaffen wurde und damit der Gemeinde ebenfalls zugänglich, heute befinden sich dahinter für die Gemeindearbeit eingerichtete Räume.

 

Außerdem wurde von der Nordseite her eine Tür zur Sakristei durchgebrochen. Es bestand damals die Absicht, diesen Raum zu einer Trau- und Taufkapelle und zugleich zu einer Gedenkhalle für die Gefallenen auszugestalten, ein Unternehmen, das nicht ausgeführt wurde.

 

Diese Bündelung der Kräfte und die straffe Bauaufsicht ermöglichten die unwahrscheinlich kurze Fertigstellungsfrist vom 11. Februar bis 30. September 1934. Während dieser Zeit fanden übrigens die Gottesdienste in der Jahn-Turnhalle statt, denn, man stelle sich allein den riesigen und stark verzweigten Gerüstbau und das Gewusel der Handwerker vor. Umfangreich war der Auftrag: mehr als 4000 Quadratmeter Holzverkleidung bzw. Bänke und 6600 Quadratmeter Wand- und Deckenflächen waren auszumalen.

 

  

 

 

 

 

 

Das große Deckenfresko in der Unterkirche

 

Ein Blick hinauf zu dem von Kunstmaler Jürgen Wegener geschaffenen Deckenfresko in den Ausmaßen von 12 m x 3,50 m ist auf jeden Fall empfehlenswert. „Ihm ist es meisterhaft gelungen, den Tod, wie er uns Menschen in allen Lebenslagen, Ständen und jedem Lebensalter antrifft, zu versinnbildlichen.“ /6/

 

Allerdings ist aus Kostengründen mit diesem Bild nur ein Teil der von Wegener vorgelegten Konzeption realisiert worden, was die leeren Stuckfelder im Altarraum verdeutlichen. Dennoch macht es auf den Betrachter einen gewaltigen Eindruck, ist doch das Thema allgegenwärtig. In 5 Bildern lässt der Künstler uns erfahren, wie gnadenlos und undifferenziert der Tod bzw. der Todesengel nach dem Menschenleben greift. So holt er sich im ersten Bild nicht das alte Mütterchen, welches um Erlösung bittet, nein, er „spielt dem tanzenden jungen Mädchen auf“. Vater und Mutter betten im zweiten Bildteil ihren verstorbenen Sohn - die Stütze ihres Alters - im besten Mannesalter in das Leichentuch. Gleich daneben als dritte Szene begegnet dem alten Bauern der Tod bei der Arbeit auf dem Felde, von der er sich gerade ein wenig ausruhen will. Als Retrospektive und grausige Vision der Völkermorde erscheint uns heute im vierten Teil die Gruppe der Krieger hinter dem zerschossenen Drahtverhau, darstellend einen Reichswehrsoldaten und einen SA-Mann. Diese und der Hitlerjunge in der nächsthöheren fünften Szenenfolge sowie der nationalsozialistische Spruch in einem der Stuckrondelle waren schon zur Entstehungszeit nicht eindeutig bejaht und im Jahre 1949 übermalt worden. Dramatisch und ergreifend jedoch wird uns hier bewusst, alle finden sich unter den Schwingen des Todesengel wieder, und das Flehen der Mutter um ihr Kind in seinen Armen wird unerhört bleiben. Der szenisch gegliederte Bildaufbau gipfelt in der Auferstehungsszene, düsteren Felsengründen entsteigen gläsern schimmernde Särge, aus denen die Verstorbenen als Lichtgestalten himmelwärts streben, eingehend in die Ewigkeit.

 

Liest man zwischen den Zeilen der zeitgenössischen Berichterstatter, so möchte man meinen, dass die Absage des Kunstmalers Wegener, er könne wegen eines anderen Auftrages nicht an der Kirchweihe teilnehmen, etwas mit dem inneren Abstand zur nationalsozialistischen Idee zu tun hat, der er in seinem Kunstwerk Zugeständnisse gemacht hatte.

  

 

 

 

                                                                     Nach dem Inferno

                            - Die Unterkirche Heimstatt in schlechten wie in guten Zeiten -

 

 

 

Der Neubeginn

 

An historischer Stätte erstand über Jahrhunderte immer wieder wie Phoenix aus der Asche ein neues Gotteshaus - dies entsprang einem tiefernsten Wunsch der Menschen dieser Stadt. - Zum Glück verschonte der große Weltenbrand, der mörderische Zweite Weltkrieg, die Unterkirche vor Zerstörung im Bombenhagel. Ihr blieb das Schicksal anderer Kirchen erspart. - Aber wie stand es um die Gemeindeglieder, die Einwohner der ebenfalls unversehrten Stadt? Während die Kirche wie ein Fels in der Brandung stand, litten die Menschen Not, es gab wohl keine Familie ohne Kriegsleid. Die meisten litten Hunger, Krankheiten grassierten. Am schlimmsten waren jedoch die Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die „Umsiedler“, wie man sie damals nennen musste, betroffen. Sie hatten zumeist nur das nackte Leben retten können, wurden in Notquartieren untergebracht und waren letztendlich die von den Einheimischen unerwünschten und ungeliebten Fremden. Vertraut war ihnen jedoch das Gotteshaus, die Kirche. Ihr fühlten sie sich zugehörig, und gemeinsam mit den Stadtbürgern, die auch wieder ihren Weg dorthin zurückfanden, begann ein neues Gemeindeleben.

 

Am 8. Januar des Jahres 1946 konstituierte sich wieder ein Gemeindekirchenrat, der nicht nur versuchte, sich der gegenwärtigen Not anzunehmen, sondern sich auch konsequent mit den Schatten der Vergangenheit auseinander setzte. In der Folge wurden alle Mitglieder der dem Naziregime nahestehenden Gemeinschaft „Deutsche Christen“ aus dem bisherigen Gemeindekirchenrat ausgeschlossen.

 

Obwohl nun in den ersten beiden schlimmen Nachkriegsjahren im kirchlichen Leben wie auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen vieles nur behelfsmäßig „lief“, fanden sich immer mehr Menschen unter dem Dach der Unterkirche zusammen. Und wie schon vor über hundert Jahren in den Zeiten der Napoleonischen Fremdherrschaft unter Kantor Bischoff fanden sie trotz allen Elends die Kraft zur Gestaltung eines hervorragenden Musikereignisses. Mit der Aufführung der „Schöpfung“ von Joseph Haydn am 22.9.1946 knüpfte man nicht nur an eine Musiktradition an, sondern setzte damit den Beginn für eine bis heute fortdauernde Reihe musikalischer Höhepunkte - eine Referenz an die hervorragende Akustik des beeindruckenden Kirchenraumes.

 

Das Jahr 1947 brachte mit der Einführung von Dr. Ernst Deter als Superintendent und Pfarrer Grawley im Pfarramt II wieder ein geordnetes Reglement im Gemeindeleben.

 

Im gleichen Jahr bot die Unterkirche am 9. August vielen Umsiedlern katholischer Konfession, welche in unserer protestantischen Gegend doppelt heimatlos geworden waren, für eine Firmung durch einen Fuldaer Weihbischof ein geräumiges Obdach. Diese Feier gestaltete sich zu einem besonders beeindruckenden Ereignis, nicht nur für die überaus zahlreich aus der ganzen Umgebung angereisten katholischen Christen. Auch die Frankenhäuser Bürger staunten nicht schlecht über die hier unüblichen und daher ungewohnten Zeremonien, und manchen trieb hierbei die pure Neugier in das Kircheninnere. - Letztendlich war dies aber der vage Beginn eines bis heute angestrebten und öfters praktizierten ökumenischen Zusammengehens.

 

 

 

 

Unter dem Dach der Unterkirche

 

Das Gemeindeleben wurde wieder reicher und spielte sich wegen staatlicher Behinderungen zunehmend innerhalb des Kirchgebäudes ab. Es fanden außer den regelmäßigen Gottesdiensten wieder Bibelstunden und Christenlehre statt, wenn auch letztgenannte von der nunmehr sozialistischen Schule ungern gesehen und behindert wurde.

 

Von der Opferbereitschaft und dem Einsatz der Gemeindeglieder, um sowohl die Orgel überarbeiten zu lassen als auch das Geläut wieder auf drei Glocken zu vervollständigen, wurde bereits berichtet. Und die Bemühungen, die Unterkirche in einem ihr gemäßen Zustand zu erhalten bzw. ihn zu verbessern, reißen bis zum heutigen Tage nicht ab. Ein angesichts der immensen Dimensionen des sakralen Raumes fast aussichtsloses Unternehmen, welches weitestgehender Unterstützung bedarf.

 

Not macht erfinderisch. Da es aus Kostengründen unmöglich ist, die große Kirche im Winter zu beheizen, schuf sich die Gemeinde mit sehr viel Engagement und Selbstbeteiligung kleinere Räumlichkeiten, zumal ihr ja der frühere Gemeindesaal im ehemaligen Vereinshaus (heute Diakonie) nicht mehr zur Verfügung stand und für Christenlehre und Konfirmandenunterricht die Nutzung schulischer Räumlichkeiten verboten wurde. So wurden z. B. 1953 die sog. Glockenstube im Turm renoviert und 1960 im westlichen Kirchenschiff unter der Orgelempore die erste Variante des Gemeindesaales zur Nutzung als Winterkirche geschaffen. Dem folgten in den Jahren 1983-84 durch Umbau der ehemaligen Fürstenloge die Einrichtung zweier kleinerer Gemeinderäume, sie stehen nun als Kleiner Gemeindesaal und für die Christenlehre zur Verfügung. Es konnte auch der Anbau an der Südseite der Kirche erneuert werden.

 

Alles in allem jedoch reichen die Mittel und Möglichkeiten der Kirchgemeinde immer nur für kleinere Korrekturen und dringend erforderliche Reparaturen. 1962 konnten die Fußbodenplatten aus Solnhofener Schiefer im Altarraum wieder fachgerecht verlegt werden. Als im Jahre 1976 der Unterkirchplatz einen wenig ansprechenden Eindruck machte, leisteten Gemeindeglieder sogar sogenannte NAW-Einsätze[5] (Anm.: 1 zu DDR-Zeiten: Nationales Aufbauwerk). . Kosten verursachten auch die verschlissenen Elektroanlagen, die Anbringung eines Steuerkabels zum Glockenläuten und die Neuanschaffung von Außenwandgasheizungen und 2 Nachtspeicheröfen in den Gemeinderäumen.

 

1989 konnte, nicht zuletzt  auch aus Mitteln des Rates des Bezirkes Halle, der Gemeindesaal umgebaut und am 18. Juni feierlich eingeweiht werden, des Weiteren wurden Nebenräume und Treppenaufgänge saniert, Toiletten geschaffen. Die Umstellung im Jahre 1997 auf eine moderne zentrale Gasheizung für alle 5 Gemeinderäume ist ein großer Fortschritt.

 

Große Sorgen gemacht hatten die von Wilhelm Schall 1886 gespendeten wunderschönen Glasfenster mit den 4 Evangelisten. Böswilliger Zerstörungswut konnte durch Anbringungen von Drahtschutz im Jahre 1974 ein Riegel vorgeschoben werden. Und groß war im Jahre 1984 die Freude als man die nach ursprünglichem Vorbild restaurierten Fenster wieder bestaunen konnte, hatte man sich doch seit 1976 darum bemüht.

 

 

All diese eifrigen und gutwilligen Bemühungen jedoch konnten den allgemeinen Verschleiß ehemals prächtiger Ausmalung, Schäden durch Wassereinwirkungen und dergl. nicht aufhalten. Wenn auch der Turm 1957 eingedeckt werden konnte, erforderte im Jahre 1997 Schwammbefall im Glockenstuhl eine Notreparatur. Der Zustand des zuletzt 1954 eingedeckten Langhausdaches ist inzwischen so schlimm, dass der Eingang zur Nordseite wegen der Gefahr herabfallender Ziegeln weiträumig abgesperrt werden musste.

 

Der Gedanke, dass das Gotteshaus als geistig-kulturelles Erbe Gemeingut der menschlichen Gesellschaft ist, inspirierte die Gemeinde, im Jahre 1998 die Aktion „gut beDACHt“ ins Leben zu rufen. Darauf folgte am 15. Januar 1999 die Gründung eines Fördervereins Unterkirche e. V. Beide Initiativen zielen darauf, das Kirchgebäude zu erhalten und im Hinblick auf das 300-jährige Bestehen im Jahre 2003 in einen würdigen Zustand zu versetzen. Das Jahr 2000 setzte hier einen ersten Meilenstein, am 24. August nämlich konnte auf das Dach der gerade neu eingedeckten Apsis wieder die goldene Kugel mit der Wetterfahne als hoffnungsträchtiges Symbol aufgebracht werden. Große Werke sind immer nur im Zusammenwirken vieler möglich geworden.

 

Und an dieser Stelle sei erinnert, dass unter dem Dach der Unterkirche im November des kritischen Wendejahres 1989 Raum für jeden und die Möglichkeit der freien Rede gegeben war.

 

 

 

Eine Tradition wird wiederbelebt

 

Wenn heutzutage viele Menschen in die Unterkirche strömen, dann zumeist in der Erwartung und Vorfreude auf ein besonderes musikalisches Ereignis. Die Bürger der Stadt erinnerten sich immer wieder daran, Aufführungsstätte der „Ersten Deutschen Musikfeste“ gewesen zu sein, und alle Kantoren griffen diese Tradition gern wieder auf. Die Musik als tröstendes und einigendes Band in schlechten wie in guten Zeiten!

 

Absoluter Favorit blieb Haydns „Schöpfung“, ein Werk, das in den Jahren 1946, 1954, 1968 und zuletzt am 17. September 2000 immer wieder auf dem Programm stand. Aber selbst an solch gewaltige Werke, wie die „Vier Jahreszeiten“ (1963), den „Messias“ (1964) und die Nelson-Messe (1971), wagte man sich heran – und der Erfolg gab den Initiatoren Recht.

Absolute Sternstunden waren die Auftritte zweier berühmter Knabenchöre; am 25.6.1975 sang der Thomanerchor die „Müntzer-Messe“, diesen jugendlichen Sängern waren „standing ovations“ genauso sicher wie dem Dresdner Kreuzchor am 4.7.1977.

 

Hatte Kantor Bischoff seinerzeit den riesigen Aufwand für die Massenveranstaltungen mit vollem Einsatz seiner Persönlichkeit und auch seiner materiellen Existenz getragen, so war die Kirchgemeinde zu DDR-Zeiten in einer nicht unähnlichen Situation. Zumeist ohne Unterstützung und materielle Absicherung durch staatliche Stellen wurden diese herausragenden Musikereignisse organisiert; nicht selten blieben sie bis zum Konzertbeginn eine „Zitter“partie, weil es durchaus möglich war, dass die Künstler auf Weisung anderswo aufzutreten hatten. Eine von wenigen Ausnahmen war das 150-jährige Jubiläum der Deutschen Musikfeste im Jahre 1954, welches mit staatlicher Förderung durchgeführt wurde, aber wohl auch im Sinne Kantor Bischoffs zum allgemeinen Volksfest avancierte. Unter Leitung des ehemaligen Unterkirchkantors Galle wurden an allen Straßen und Plätzen Volkslieder gesungen, Tanzgruppen zeigten ihr Können.

 

Zu einer festen Institution wurden die von Kantor Scheidig im Jahre 1974 eingeführten „Frankenhäuser Sommermusiken“, die 1999 auch schon auf 25 Jahre eigenständiger, erfolgreicher Musiktradition zurückblicken konnten. Im Rahmen dieser Musiken werden im Sommerhalbjahr alle zwei Wochen jeweils am Sonntag musikalische Programme dargeboten, die es verdienten, vom Publikum noch besser angenommen zu werden.

 

Erinnert man sich, dass vom 2.6. – 9. 6. 1975 bereits der 175. Jahrestag der Deutschen Musikfeste mit der Aufführung der „Vier Jahreszeiten“ begangen wurde, so ist es schlüssig, an den 200. im Jahre 2004 oder 2005 zu denken. Wie schön wäre es, wenn dieses Ereignis in einer frisch renovierten Unterkirche stattfinden könnte!

 

 

 

      

Quellenverzeichnis

 

/1/      Mitteilungen der Stadt Frankenhausen, von Oberamtsrichter Freiherrn von Ketelhodt       

           Druck von Emil Krebs, („Verlag der Frankenhäuser Zeitung“)

 

/2/      Geschichte der Unterkirche zu Frankenhausen, Zur Erinnerung an den 17. October  1886,

           von Eduard Schönau,

           Druck und Verlag Emil Krebs Frankenhausen

 

/3/      Beiträge zur Schwarzburgischen Heimatskunde XV.: Eine Gabe zum Luther- Jubiläum,

           von Eduard Schönau,

           veröffentlicht im Frankenhäuser Intelligenzblatt des  Jg. 119.(1883), S. 264, 268, 272, 280, 283,

           284, 287, 288, 296, 304, 308, 316, 328, 336, 344

 

/4/      „Begegnungen mit Kirchen“ - Beiträge zur Geschichte der Unterkirche

           von Martin Göttsching, Uthmar Scheidig, Gisela Göttsching,

           herausgegeben Bad Frankenhausen, den 8. April 1979

 

/5/      Eine schöne Kirche, Die Unterkirche in Bad Frankenhausen,

           von Superintendent Dr. Ernst Deter, Bad Frankenhausen,

           bei Emil Krebs Söhne Frankenhausen, 1952

 

/6/      Ein Beitrag zur Geschichte der Unterkirche in Bad Frankenhausen, bearbeitet von

          Max Krebs in Bad Frankenhausen auf Grund von der in seinem Besitz befindlichen

          Sammlung „Meine Vaterstadt in Wort und Bild“; Auszüge aus der

          „Frankenhäuser Zeitung“ - Verlag Emil Krebs Söhne Bad Frankenhausen

          „Zur Einweihung des neuhergerichteten Kircheninnern,

          30. September: Scheiding 1934

 

/7/      Poetischer Führer durch Frankenhausen und Umgebung, Paul Schröder.

          Aus vergangenen Tagen: Alte Frankenhäuser Geschichten; 3. Aufl.

          Druck und Verlag von F. Schröder Bad Frankenhausen

 

/8/      Die Kirche (zur Kirchweihe am 17.10.1886), Gedicht von Carl Friedrich Gebicke

 

/9/      Die Kirchlinde im Herbste, Gedicht von Carl Friedrich Gebicke, veröffentlicht

          im Frankenhäusischen Intelligenzblatt 125. (1889) Nr. 81, S. 328

 

/10/    Beitrag zur Frankenhäuser Stadtentwicklung, Liselotte Pflaumbaum,

          H. 1 Veröffentlichungen des Kreisheimatmuseum Bad Frankenhausen, 1987

 

/11/    Historische Beiträge zur Kyffhäuserlandschaft, H. 7 Veröffentlichungen des Kreis-

          Heimatmuseums Bad Frankenhausen, 1982, Entwicklung und Pflege von

          Musiktraditionen in Frankenhausen, Erika Rückebeil

 

/12/    Ein Erlebnis, von Frhr. von Ketelhodt, gedruckt bei Emil Krebs Söhne

           Bad Frankenhausen, 16. Juli 1913

 

/13/    Aus alter Zeit, Bilder aus der Vergangenheit der Salzstadt Frankenhausen a. Kyffh.,

          Zur Erinnerung an das 200jährige Bestehen der Unterkirche am 10. Oktober 1903,

          Kirchenrat Hesse, Verlag von C. Werneburg Frankenhausen, 1903

 

/14/    Die Stadt Frankenhausen in der untern Herrschaft des Fürstenthums Schwarzburg-

          Rudolstadt, Hesse - Thüringen und der Harz mit ihren Merkwürdigkeiten, Volkssagen u. Legenden, 4. Bd.,

          Sondershausen 1841, Verlag von Friedrich August Eupel

 

 

/15/    Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, Prof. Dr. P. Lehfeldt, Heft V

          Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt - Unterherrschaft, Amtsgerichtsbezirke

          Frankenhausen und Schlotheim, Verlag von Gustav Fischer, Jena, 1889

 

/16/    Unvergessliche Stunden zum Frankenhäuser Musikfest, Hans Torkowsky,

          Liberal-Demokratische Zeitung, Halle, 24. Juni 1954

 

/17/    Gestern noch Gegenwart - heute schon Geschichte, Peter Zimmer,

          Frankenhäuser Wochenblatt Nr. 24/99, S. 14-15