Geschichte des Klosters Bad Frankenhausen

 

 

Zeitraum

 

Geschichte

 

Besonderheiten

 

 

 

von Ingrid Mansel, Bad Frankenhausen

 

 

 

 

 

30. Nov. 998

erste urkundliche Erwähnung der Stadt in einer Schenkungsurkunde von Otto III., wo er zwei Siedestellen bei Frankenhausen an das Kloster Memleben verschenkte. Damit wird dokumentiert, dass die Frankenhäuser Oberstadt noch nicht in die Stadt integriert war, denn die Stadt Frankenhausen wuchs aus drei nebeneinander mehr oder weniger gleichzeitig entstandenen Siedlungskernen zusammen, wobei dieser Prozess erst im Jahre 1890 endgültig abgeschlossen war.

3 Siedlungskerne: Frankenhäuser Altstadt (antiqua civitas) sagenhafte Bezeichnung: Dorf Bärenklau (Anschluss an Stadt erst 1890)Frankenhäuser Unterstadt (vera civitas), die rechte Stadt, im 12. Jh. mit Mauern umgeben, Frankenhäuser Oberstadt (nova civitas), die neue Stadt, zu Beginn des 13. Jh. in das Mauersystem integriert mit dem „domus francorum“, dem heutigen Hausmannsturm als oberstes Befestigungswerk hier unterschiedliche Auffassung zur Namensgebung für Klosterkirche zwischen Müldener und E. Schönau

 

 

1215

stiftet Graf Friedrich III. von Beichlingen, verheiratet seit 1210 mit Erbgräfin Hedwig von Rothenburg, das Zisterzienserinnen-Kloster, geweiht der Heiligen Jungfrau Maria und dem Heiligen Georg 

 

 

 

21.07.1275

verstarb dieser Graf und wurde in der Klosterkirche beigesetzt, Grabmal leider nicht mehr vorhanden

Müldener muss noch eine Abbildung vorgelegen haben, Grabmal wurde 1689 bei Brand verschüttet, 1692 wiederentdeckt, ging abermals verloren

seit 1267 bis 1536

Gottesdienste in der Klosterkirche sind der Aufsicht eines Klosterprobstes unterstellt, durch Müldener namentlich benannt, der erste ist Giselderus, der letzte Johann Oley, er verlässt den geistlichen Stand, heiratet und wird Bürgermeister zu Frankenhausen

siehe Mainzer Propstei in der Klosterstraße

 

Kirche ist reich, herrlicher Marienaltar mit wundertätigem Muttergottesbild, das durch Blass- bzw. Rotwerden gute oder schlechte Zeiten voraussagt;

wundertätiges Muttergottesbild

 

Klosterheiligtümer bedienen Vicare - Vicarien-Stellen-, die zeitweilig sehr einträglich sind; Müldener führt folgende Vicarien auf: Altar der Maria, der hlg. Anna, aller Apostel, der 12 Boten, aller Heiligen, St. Benedicts, St. Georgs, St. Johannis und der 1000 Märthyrer

Vicarien

Es gibt Küsterinnen und Türmerinnen, die verantwortlich sind für Ausschmückung der Altäre, Läuten der Klosterglocken, Reinigung der heiligen Gefäße und Gewänder

Türmerinnen und Küsterinnen

1536

Säkularisierung

 

 

 

1552

nach dem Brande der Hauptkirche St. Jacobi wurde die von den Klosterleuten aufgegebene Klosterkirche zur evangelischen Hauptkirche - der Unterkirche -

Kirche St. Jacobi brennt ab, nach Säkularisation 1536 wurde die Klosterkirche frei für reformierte Kirche

 

1579

Graf Wilhelm von Schwarzburg (Sohn von Günther mit dem „Fetten Maule“), damals noch minderjährig, erbt die Unterherrschaft Frankenhausen, seit 1579 widmet er sich völlig der Verwaltung seiner Ämter Frankenhausen, Heringen, Kelbra und Straußberg, wobei Straußberg seine Lieblingstätte war

Zur Person des Grafen Wilhelm: Er soll ein frommer, gottesfürchtiger, mildtätiger, gewissenhafter Fürst gewesen sein, dem im besonderen seine erste Gemahlin in nichts nachgestanden habe. Ihm dankt die Stadt eine neue Schützenordnung (1589), eine Schulordnung und die Einrichtung der V. Klasse (1595) am Lyceum, die Hochzeits- und Tanzordnung (1596); er war ein sparsamer Herrscher und sorgte sich sowohl um die materiellen Belange als auch um das rechte Seelenheil seiner Untertanen, so setzte er 1592 den Calvinisten, das ist Superintendent Schlör, ab und berief die Anticruptocalvinisten Chäricus und Erasmus Rothmaler als Prediger.

 

 

03.12.1590

erfolgt die Beisetzung seiner ersten Gattin, Elisabeth, geb. von Schlick, in der Unterkirche, deren Gruft fand man am 27.8.1886 bei Restaurierungsarbeiten vor dem Altare wieder mitsamt ihrem beigelegten Schmuck

 

 

30.9.1597

heiratet Wilhelm zum zweiten Male, und zwar in Frankenhausen, Frau Clara, geb. Herzogin zu Lüneburg

 

 

23.08.1596

starb Wilhelm (im 64. Lebensjahre) in Straußberg, wahrscheinlich an der Pest, der er nach dort ausweichen wollte 

 

 

1598

nach teilweiser Niederlegung der alten Klosterkirche Grundsteinlegung für Neubau              Die neue Kirche wird mit der feierlichen Beisetzung des Grafen Wilhelm eingeweiht, man ließ Platz für seine zweite Gemahlin Clara, die dann am 22.10.1658 (87jährig) in ihrem Witwensitz Heringen verstorben und nach Fr. verbracht worden ist. Bei den Restaurierungsarbeiten 1886 hat man den zusammengebrochenen Sarg, den Kopf, den Ring und den Degengriff des Grafen gefunden, auch einen zweiten Totenschädel und Hauben-beste der Gräfin, man schließt daraus, dass beim Kirchenneubau 1690 die Gruft geöffnet und durchwühlt worden ist.

wird maßgeblich von Wilhelm gefördert; die 400 jährige Klosterkirche im gotischen Stile war kleiner als die jetzige Unterkirche und lag innerhalb der später beseitigten Klostermauern. Nach Norden grenzte sie an den Klosterfriedhof, bis 1550 wurden nur Klosterangehörige dort bestattet, von da bis 1598 auch andere Personen; 1597 wurde außerhalb der Stadt beim Angertore ein neuer Friedhof eingerichtet, da die Zahl der Pesttoten zu groß wurde.            Die im Jahre 1598 eingeweihte neue Kirche muss E. Schönau als Abbildung bekannt gewesen sein, denn er schildert sie so: Sie ähnelte der heutige Unterkirche, mit ziemlich niedrigem Turm, der mit Schindeln gedeckt war, Inneneinrichtung im Barockstil, der gerade in Mode gekommen war, mit reicher und mannigfaltiger Skulpturarbeit und schwülstigen Poemen an der Kanzel versehen.

14.09.1607

Tod und Beisetzung des Kanzlers Johann Pistorius, Jurist aus Jena, in der Unterkirche

Denkmal für diesen treuen Beamten, von seiner Frau gestiftet, leider verloren gegangen, lediglich Inschrift erhalten geblieben (bei E. Schönau, S. 15)

 

 

21.10.1632

Der Dreißigjährige Krieg lässt die Stadt nicht unverschont, die Pappenheimer dringen nachmittags 2 Uhr in die Stadt ein, plündern alle Kirchen, das Schloss, das Rathaus, Hospitale und Privathäuser, die Stadtbürger verstecken sich, in der Unterkirche sind alle sakralen Geräte gestohlen worden, die in den nachfolgenden Jahren durch freundliche Spender von Mal zu Mal wieder angeschafft werden

Die Unterkirche besitzt einen zinnernen Teller mit der Aufschrift: „Ao. 1632, den 21. Octobris, ist von des Kayserl. Generals Pappenheimbs untergebenem Kriegsvolke hiesige Stadt 3 Tage lang geplündert und waren bei der Plünderung aller Kirche-Ornat, Kelche, Patenen, Meßgewandte und dergleichen mitgeraubt, daher in Mangelung derer das heilige Abendmahl eine Zeit lang aus zinnernem Werge administrieret worden.“

 

 

1634

findet in der Kirche ein feierlicher Trauergottesdienst statt wegen des Ablebens des Grafen Albert Günther

Graf Albert Günther von Schwarzburg verstorben

 

 

04.10.1651

zerspringt die noch von der Klosterkirche stammende große Glocke

 

 

 

1654

wird der Turm der 1598 eingeweihten Kirche mit Baumaterial, welches von der Arensburg bei Seega stammt, fertig gestellt

 

 

 

1688

hat uns Rektor Hoffmann in seinen Programmen Kunde von den Inschriften und der inneren Beschaffenheit der 1598 geweihten Kirche hinterlassen, bevor sie abbrennt

 

 

 

17.09.1689

brennt die 1598 geweihte Kirche gänzlich ab

Detaillierter Brandbericht bei E. Schönau, S. 18-20

 

 

02.03.1641

wird Graf Albert Anton geboren, einziger Sohn von Graf Ludwig Günther I.,

Graf Albert Anton verwaiste mit 5 Jahren, seine kluge Mutter, Aemilia Antonia, übernahm die Vormundschaft; seit 1662 übernahm er selbst die Regierungsgeschäfte: Für Frankenhausen drang er auf Errichtung der VII. Klasse am Lyceum sowie die Bestellung eines Lehrers für dieselbe. Seine Gattin, Aemilie Juliane, Tochter des Grafen Albrecht Friedrich von Barby, seit 7.6.1665 mit dem Grafen vermählt, steht ihm in gleicher Weise bei. Sie ist eine hervorragende Dichterin besonders geistlicher Lieder, von denen einige in das Landesgesangbuch aufgenommen werden

 

 

1691

wird mit dem von Graf Anton beförderten Neubau und der Vergrößerung der Kirche begonnen. „Der Neubau ging sehr langsam von statten. Man war beim Aufgraben des Grundes auf Wasser gestoßen, weshalb viele eiserne und eichene Pfähle eingerammt werden mussten. Dies verursachte große Kosten. Um diese bestreiten zu können, veranstaltete man eine Collecte.“ Diese von zwei eidlich verpflichteten Sammlern (Jacob und Heinrich Große) zu erbittende Kollekte bringt allerdings nicht die erhoffte Summe, dennoch kann am

Inschrift im westlichen Türbogen: „Im Namen Jesu Ao. 1691 ist an hiesiger Kirche, nachdem dieselbe durch Gottes Verhängniß ao. 1689, den 17. Sept., abgebrannt, wieder zu bauen angefangen und ist das Mauer- und Steinhauerwerk von Mstr. Hans Walthern und nach seinem Tode von dessen zwei Söhnen Mstr. Johann Friedrich und Johann Heinrich mit Gott verfertigt. 1701“ Die Leitung des Neubaues wird dem Baumeister Richter aus Jena übertragen.

 

 

10.10.1703

die Kirche eingeweiht werden

Die Kosten für die Wiedererrichtung setzen sich zusammen aus: 1000 Thalern vom Grafen Albert Anton, man leiht beim Stifte St. Severi 1350 Thaler, appelliert an die Mildtätigkeit der Knechte, die den kupfernen, vergoldeten Knopf bezahlen, aufgesetzt am 20.11.1702.

 

 

1705

ist die später ansehnliche Kirchenbibliothek begründet worden, sie umfasst 1886 ca. 450 Bände, eine Reihe Zinsendorfiana enthaltend, sie ist auf Beiträge neu ordinierter Geistlicher und Erträge des Klingelbeutels der Rathsfelder Kapelle angewiesen

 

 

 

1709

gibt es einen versuchten Einbruch in die Sakristei - ohne Erfolg

 

 

 

ab 1711

werden der Kirche durch Stifter wieder sakrale Geräte geschenkt

 

 

 

17.01.1723

setzt man neben dem Ratsstuhle den Kanzleidirektor Wilhelm Friedrich Werner bei

Wilhelm Friedrich Werner ist 1702 durch Graf Albert Anton zum Kanzleidirektor und Consistorialpräsidenten ernannt worden, er dient der Stadt auch noch unter den Fürsten Ludwig Friedrich und Friedrich Anton, Näheres zu seiner Person und Familie bei E. Schönau, S. 22-23          Er setzt sich jedoch u.a. für bessere Pflasterung der städtischen Straßen ein, für Einrichtung von bürgerlichen Nachtwachen, Almosenordnung, hat verschiedene Legate gestiftet (seine Nachfahren führen in die Leuckardtsche Linie, bekannte Bürger der Stadt)

 

 

1730

feiert man das 200jährige Jubelfest der Augsburgischen Konfession in der Unterkirche

 

 

 

1741 und 1745

4 Übertritte von Katholiken zur evangelischen Konfession

 

 

 

1745

Dankgottesdienst zur Wahl Franz I. zum Kaiser

 

 

 

1751

zerspringt Sermone, die zweitgrößte Glocke

Joh. Heinrich Brauhof in Nordhausen liefert eine neue Glocke

 

 

1754

am Trinitatisfeste wird ein Te Deum wegen der Aufnahme des Fürsten Johann Friedrich in den Reichsfürstenrat gehalten

 

 

 

1760

zur Zeit des siebenjährigen Krieges holen preußische Werber zwei Männer aus der Sakristei, die das Abendmahl nahmen

 

 

 

am 22.02.1761

wegen preußischer Einquartierung fallen sämtliche kirchlichen Handlungen aus

 

 

 

10.04.1763

findet das Friedensfest statt mit großer Kirchenparade der Schützenkompagnie, Festpredigt und einer vom Cantor und Musikdirektor Joh. Wilh. Cunis komponierten Kantate

 

 

 

1765

wird die Currende-Glocke schadhaft

aus dem Metall der schadhaften Currende-Glocke lässt man eine kleinere, für den Oberkirchturm bestimmte gießen und bestellt aus den Resten der vom Feuer zerstörten Oberkirchturmglocken eine neue Currendeglocke

 

 

1767

wiederum zwei Übertritte von Katholiken

 

 

 

Juli 1773

der Geh. Rat Anton Friedrich von Beulwitz wird hinter dem Altar beigesetzt

von Beulwitz war Nachfolger von Canzleidirektor Werner, später nach der Residenz Sondershausen berufen, von dort zurückgekehrt, verstarb er in Fr., Näheres dazu bei E. Schönau S. 24. Er hat sich einige Jahre vor seinem Ende den Sarg und die Gruft hinter dem Altare selbst zubereiten lassen.

 

 

1777

ging die Currende-Glocke abermals entzwei

Joh. Mayer in Rudolstadt hat sie umgegossen

 

 

10.10.1803

das 100-jährige Fest der Kirchweihe wird mit einem Dankgottesdienst, Kirchenmusik und Te Deum begangen

 

 

 

13.06.1804

Kantor Bischoff und Stadtmusikus Löscher bringen Haydns „Schöpfung“ zur Aufführung - Vorläufer der Deutschen Musikfeste

zu diesem Ereignis wird erstmals ein Orchester von 106 Personen eingesetzt, in dem Musiker aus der nahen und weiteren Umgebung beteiligt sind

 

 

am 24. p.Tr. 1806

kann nachmittags keine Kirche gehalten werden, da 2678 gefangene Preußen unter Bewachung von 300 Franzosen von Sangerhausen nach Frankenhausen kamen und in Unter- und Oberkirche gelegt werden, der darauf folgende Sonntagsgottesdienst fällt wegen Gestanks und erforderlicher Reinigung ebenfalls aus

 

 

 

31.05.1807

Trauergottesdienst zum Ableben Fürst Ludwig Friedrichs

 

 

 

20./21.06.1810

veranstaltet Kantor Bischoff wieder Massenkonzerte, unter Leitung von Ludwig Spohr mit 200 Musikern - diese ersten deutschen Musikfeste machen Frankenhausen weltweit bekannt

weitere Daten zu den Musikfesten bei E. Schönau, S. 27

 

 

1811

weiteres Musikfest mit 240 Musikern

 

 

 

31.03.1814

Dankgottesdienst anlässlich des Einzuges der gegen Napoleon verbündeten Truppen in Paris

 

 

 

19./20.10.1815

Drittes Deutsches Musikfest anlässlich der zweijährigen Gedenkfeier der Völkerschlacht bei Leipzig

 

 

 

31.10.1817

300-Jahr-Feier des Reformationsfestes

 

 

 

1819

schenkt Magister Säuberlich 6 neue Stühle für die Predigerstube und

 

 

 

1831

lässt ein Gemeindemitglied 4 21-Fuß-hohe Fenster einsetzen

 

 

 

1833

schenkt Friedrich August Wilhelm Hoffmann, Pastor zu Esperstedt, ein Ölgemälde von Lucas Cranach mit der Jahreszahl 1520, gekennzeichnet mit L.C. und einem liegenden Drachen, soll dessen ungeachtet ein Plagiat sein

 

 

 

1836

zerspringt die kleine Glocke

F. Mayer Rudolstadt schafft eine neue Glocke,

 

 

1837

wird die neu gegossene Glocke auf den Turm gezogen

 

 

 

1842

erste gründliche Renovierung der Kirche und der von Orgelbaumeister Nordt seinerzeit erbauten Orgel; mit der Erneuerung der Orgel wird der berühmte Paulinzellaer Orgelbaumeister Schulze betraut, der seinen Gehilfen Alexander Julius Strobel nach Frankenhausen schickt.

Julius Strobel läßt sich in Frankenhausen nieder, seine Söhne Reinhold und Adolf betreiben nach seinem Tode sein Handwerk weiter und die Fa. wird weithin gerühmt; Julius Strobel wurde 1814 in Bösenbaum, Vogtland, als Sohn eines Predigers und Lehrers geboren, die Familie zog 1823 nach Untertriebel in der Nähe von Plauen, dort erhielt Julius Unterricht teils durch seinen Vater, teils durch den Ortslehrer. Da sein Vater mit 54 Jahren verstarb, wurde Julius nach Gefell zu einem Gold- und Silber-arbeiter in die Lehre gebracht. Diese Tätigkeit machte ihm große Freude, er arbeitete sehr fleißig, bekam aber bald Augenprob-leme und mußte zu seinem und des Lehrmeisters Leidwesen diesen Beruf aufgeben. Als sein zweiter Bruder, ein Kaufmann, starb, stieg er in diesen Beruf ein, fühlte aber keine Berufung dazu und scheiterte, er wurde hier und dorthin umgetrieben, schließlich besann er sich auf einen Ausspruch seines Vaters: „Werde Orgelbauer!“ Bei einem Tischler erlernte er das Tischler-handwerk, erkrankte jedoch nach Abschluß der Lehre an Nervenfieber, daß man ihn fast aufgegeben hatte, er verun-glückte außerdem auf einer Treppe, kam aber gesund davon, ging dann weiter zu dem damals bekannten Orgelbauer Mende in Leipzig fast 4 Jahre lang in die Lehre, hatte noch diverse Meister und kam dann zu dem Orgelbaumeister Fr.Schulze in Paulinzella und von dort im Auftrag nach Frankenhausen. (weitere biografische Angaben s. E.Schönau, S. 29-35)

 

 

1864

am Tage des 50jährigen Regierungsjubiläums des Fürsten Friedrich Günther ist ein feierlicher Dankgottesdienst gehalten worden

 

 

 

1866

Gebet für den Sieg der deutschen Waffen gegen Österreich

 

 

 

1869

springt während des Trauerläutens wegen des Ablebens des Fürsten Albert die große Glocke

 

 

 

am 27.07.1870

betet man für den Sieg der deutschen Waffen im Kriege gegen Frankreich und am

 

 

 

18.06.1871

Dankgottesdienst aus Anlass des Friedensschlusses in Frankfurt a. M. durchgeführt

 

 

 

ab 1876

Frühmetten morgens 5 Uhr werden eingestellt

 

 

 

16.06.1877

Rothenburger Sängerbund, Nordhäuser Liederkranz geben Musikaufführung in der Kirche

 

 

 

09.05.1880

Große Glocke wird neu gegossen wieder aufgezogen

Große Glocke ist von der Werkstätte der Gebrüder Ulrich in Apolda umgegossen worden, siehe E. Schönau S. 56

 

 

02.09.1880

Feier des Sedanfestes - Sieg vor 10 Jahren

 

 

 

1882

in diesem Jahr gehen reiche Spenden ein, u.a. von W. Schall anlässlich der Vermählung seiner Tochter Mary Therese mit Herrn J.F. Müller aus Bremen

 

 

 

1883

ist die nördliche Seite des Kirchturmes repariert worden

 

 

 

11.11.1883

400-Jahr-Feier des Luthergeburtstages begangen

Näheres bei E. Schönau S. 37

 

 

1884

bekommt die Sermone wiederum einen Sprung

Sermone und alle anderen Glocken werden an die Fa. Radler u. Söhne in Hildesheim verkauft, und dafür 3 neue Glocken von dieser Fa. erstanden

 

 

08.09.1884

kommt das neue Geläute aus Hildesheim und wird unter großer Anteilnahme der Bevölkerung trotz ungünstiger Witterung  emporgezogen

beim Einläuten der neuen Glocken ereignet sich beinahe ein großes Unglück, die zweitgrößte Glocke wird zu weit geschwungen und ist an das Balkenwerk des Daches geraten, dies richtet am Turmdach großen Schaden an, es hätten aber alle Glocken hinuntergeschleudert werden können

 

 

14.09.1884

findet das entsprechende Glockenfest statt, aus der Kollekte zu dieser Veranstaltung werden drei neue Kronleuchter sowie das Heizmaterial für die von Wilhelm Schall gestiftete Heizungs-Anlage gekauft

siehe dazu Bericht bei E. Schönau S. 39

 

die Heizung wird von der Fa. Sachse in Halle hergestellt

 

 

Okt. 1885

Wilhelm Schall stiftet zum Zwecke der Restauration des Innern des Gotteshauses 15000 Mark,

die Bauarbeiten sollten umfassen: die Isolierung des Fußbodens, Belegung des Altarraumes mit Solnhofener Platten und Mosaik, Neudielung unter den Frauenständen und Umarbeitung der letzteren, Ersetzung der 4 einfachen Fenster der Apsis durch gemalte, Dekoration des gesamten Kirchen-innern, einschließlich des Orgelprospektes. Auch sollten angekauft werden: ein Kronleuchter für den Altarraum, Läufer für die unteren Gänge und eine neue Kanzel-, Altar- und Taufstein-Bekleidung.

April 1886

wurde die fast gänzlich umgestaltete Orgel übergeben, sie erhielt ein Referenzschreiben von Experten und dem Stadtrat

Für die Erneuerung der Orgel stiftete Schall noch einmal 13424,96 M, die Fertigstellung der Orgel erlebte Julius Strobel nicht mehr, das war dann das Werk seiner Söhne

 

während der Renovierungsarbeiten werden die Gottesdienste ab 4. April 1886 an die Oberkirche verlegt

Weiteres zur Renovierung s. E. Schönau, S. 40-46

 

 

17.10.1886

die renovierte Kirche wird wieder dem Gottesdienst übergeben

Gesamtkostenaufwand 25 000,- M

 

 

11.11.1903

Erinnerungsfeier an die vor 200 Jahren erfolgte Wiederherstellung der Unterkirche

 

 

 

Okt. 1918

zwei Glocken aus dem Ensemble der 1884 neu gegossenen Glocken müssen dem Kanonengusse geopfert werden

 

 

 

30.04.1926

werden unter Beisein von Vertretern der Frankenhäuser Kirch-Gemeinde in Hildesheim, bei der Fa. Radler & Söhne, die Glocken nach altem Muster, welches noch bei dieser Fa. vorhanden war, neu gegossen

 

 

 

12.05.1926

treffen 3 Unterkirchglocken von Hildesheim mit dem Zuge ein;

 

 

 

14.05.1926

die Glocken werden in stattlichem Zuge vom Bahnhof zur Unterkirche gebracht;

 

 

 

17.05.1926

die Glocken werden unter Leitung des Glockenmonteurs Blume aus Hildesheim aufgezogen;

 

 

 

23.05.1926

feierliche Weihe am ersten Pfingstfeiertag

 

 

 

29.09.1934

berichtet die Frankenhäuser Zeitung Nr. 228 über die Reno-vierung der Unterkirche: der Kircheninnenanstrich wurde vollständig erneuert:Grau-weiß-grün ist der Farbton, Gold der Glanz, vom lichten Grau anstei-gend erhellt sich der Farbton von Empore zu Empore, um schließlich im lichten Grau-weiß an der Deckenwölbung auszulaufen; die früheren Kronleuchter wurden entfernt, dafür 60 elektrische kugelförmige Lampen installiert, die Altarbilder sind gesäubert und restauriert, die grün-marmorierten Säulen des Altars ruhen auf einem dunkel-grauen, fein gemaserten Sockel von Kyffhäuserstein der heimischen Industrie von A. Schönberg; rechts und links angebrachte Scheinwerfer erhellen den Altar, die Grabstätten vor dem Altar sind mit einem schweren Sandstein zugedeckt worden, die Fürstenlogen, die jetzt jedermann zugänglich sind, und Kanzel erstrahlen in neuem Glanze, Deckenschmuck des Altarraumes ist ein groß eingemaltes Kreuz der Deutschen Christen mit dem Leitwort: Unsere Aufgabe ist Deutschland, Unsere Kraft ist Christus. In Gold verzierter Schrift findet man diverse Bibelworte. 

 

 

Das Orgel-prospekt hat ein gänzlich neues Gesicht bekommen durch den Tischlermeister Carl Heiligstedt, die Orgel selbst durch die Strobel Söhne zum ersten Mal gereinigt und ausgebessert, die Außenwände des Kirchengestühls sind durch den heimischen Holzbildhauer Richard Aschenbach verziert worden, das Fresko-Gemälde ist vom Kunstmaler Jürgen Wegener aus Weimar geschaffen, der in diesem Gemälde die ständige Allgegenwart des Todes unter den Menschen darstellte.Obwohl das Gemälde 12 x 3,50 m in den Abmessungen sein größtes Bild ist, ist es für diese Kirche gewissermaßen ein Torso, da die Ausmalung weiterer Deckenflächen geplant, aber wegen Geldmangels ausgesetzt werden muß. Die sechs übereinander ansteigenden Bilder stehen unter der Gewalt des Todesengels. Dem aufkommenden Nationalsozialismus angepaßt, wird dessen Gedankengut integriert - siehe u.a. stramme, für das Vaterland sterbende Soldaten, Hitlerjunge mit Hakenkreuz (wurde nach 1945 übermalt), BDM-Mädchen; 

 

 

 

08.01.1946

Erste Sitzung des Gemeindekirchenrates nach dem Krieg im Vereinshaus – alle Mitglieder der „Deutschen Christen“ wurden nach 1945 vom Gemeindekirchenrat ausgeschlossen

 

 

 

1953

Glockenstube wird renoviert, Gasheizkörper angebracht

 

 

 

 

 

1954

das gotische Kreuz (1380) aus der O-Kirche kommt in die Unterkirche zur Sicherung

 

 

 

29.03.1984

mit Einbau des Johannesfensters Beginn der Wiederherstellung der Chorfenster in alter Form und Einbau

 

 

 

1986/1987

Erneuerungen des Läutewerkes, z. T. durch Spenden einer westdeutschen Familie bzw. von Partnergemeinde Heilbronn

 

 

 

24.08.2000

Dacherneuerung der Apsis und Wiederaufbringung der goldenen Kugel mit Wetterfahne

 

 

 

04.03.2003

mit dem Einsetzen des „letzten“ Biberschwanzes Beendigung der Dachsanierung

 

 

 

 

 

 

 

 

Literaturnachweis1975:

 

 

 

 

/1/ Geschichte der Unterkirche zu Frankenhausen,

 

 

Zur Erinnerung an den 17.Oktober 1886, Eduard Schönau,

 

 

Druck und Verlag von Emil Krebs Frankenhausen

 

 

 

 

/2/ Eine schöne Kirche, Superintendent Ernst Deter, gedruckt  bei Emil Krebs Bad Frankenhausen 

 

 

 

 

/3/ Zur Einweihung des neu hergerichteten Kircheninnern,

 

 

30.Sept.: Scheiding 1934 - Auszüge aus der  „Frankenhäuser Zeitung“, Verlag Emil Krebs Söhne Bad      Frankenhausen (Kyffh.)

 

 

 

 

/4/ Angaben aus den Protokollen des Gemeindekirchenrates ab 1946