Das schottische Zisterzienserkloster Melrose

von Hans Jakob Ollig

Manuskript for Cistoprdia, 2006

 

Das schottische Zisterzienserkloster  Melrose  gehört zu den so genannten Borders-Abbeys (Grenzland Abteien).

 

Hier im Süden, wo der schottische Einfluss endete, entstand eine Reihe gewaltiger Abteien, alle vom schottischen König David I. (1124-53) gegründet:  Melrose OCist,  Jedburgh CanA,  Kelso OSB,  Dryburgh OPraem, allesamt heute noch beeindruckende Ruinen.

 

König David I. war der älteste Sohn der Hl. Margareta von Schottland, holte 1136 Zisterziensermönche ins Land. Die Mönche kamen aus Rievaulx in Yorkshire, und der König wies ihnen den Ort Old Melrose zu.

Die Abtei der heiligen Maria zu Melrose  wurde am Montag, dem zweiten Tag der Osterwoche [23. März] gegründet, ihr erster Abt war Richard.

Dies aus der Chronik von Melrose.

 

Die Gründung von Melrose im Jahre 1136 gehörte zum Teil zu einer groß angelegten Reorganisation der schottischen Kirche unter König David I. Er selbst gründete in seiner Regierungszeit 15 bedeutende Klöster.

 

Der Ort Old Melrose, wo sich in keltischer Zeit schon ein Kloster befunden hatte, gefiel den Mönchen aber nicht, und sie zogen 4 km weiter westlich an einen Ort,  der heute Melrose ist. Melrose ist das erste Zisterzienserkloster in Schottland und sollte auch das bedeutendste im Lande werden werden.

 

Die Kirche St.Maria  Melros, wurde geweiht am fünften der Kalenden des Juni

[28.Juni] dieser war ein Sonntag.

Eintragung in der Chronik von Melrose im Jahre 1146.

 

Also hat es bis 1146 gedauert, ehe die Kirche fertig war. Trotz Bautätigkeit entstanden in rascher Folge Neugründungen von Melrose aus: Newbattle 1140, Kinloss 1150, Coupar Angus 1162, Balmerino 1229 und in England  Holm Cultran. Das spiegelt die gute Personallage und die Kraft von Melrose wieder.

 

Von der romanischen Kirche ist heute noch sehr wenig zu sehen. Sie wurde, wie auch das Kloster, 1385 von englischen Truppen Richard II., zerstört. Bei Ausgrabungen konnte man aber die wesentlichen Elemente nachweisen (Abb 1).

 

Überhaupt hatten die Borders (Grenzland) unter den Auseinandersetzungen zwischen England und Schottland  am meisten zu leiden.

 

Die Mönche bauten ihr Kloster im neuen Stil der Zeit wieder auf. Schon im Jahre 1389 sind Gelder für den Wiederaufbau bezeugt. Der Arbeiten zogen sich bis in das 16. Jh. hin, 1504 wurden silberne Becher an die Steinmetze verteilt. Es ist wahrscheinlich, dass die Kirche nie ganz fertig wurde.

 

Wenig ist über Melrose aus dem späten Mittelalter bekannt. Die wirtschaftlichen Aktivitäten basierten immer auf der Produktion von Qualitätswolle. Aber die Höfe wurden nicht mehr von Laienbrüdern bewirtschaftet und waren verpachtet. Die Laienbrüder waren wahrscheinlich bis 1443 abgeschafft oder ihre Zahl drastisch zurückgegangen, denn zu dieser Zeit wurde der Chor der Laienbrüder bereits als Pfarrkirche benutzt.

 

Äbte übernahmen höfische Rollen, die strenge Regel der Zisterzienser löste sich auf. Im Jahre 1534 verfügte der Abt vom Kloster Coupar Agnus und Glenluce unter Androhung der Exkommunikation, dass die Praxis von Melrose, wo die Mönche eigene Schlafräume und Gärten hatten, strengstens zu unterbleiben habe.

 

Mit der  Berufung  von James Stuart, des Sohnes James  V., im Jahre 1541 zum Verwalter von Melrose ging der Niedergang weiter. Abt Andrew wurde zum Rücktritt gezwungen, der neue Amtsinhaber war noch ein Kind.

 

Zudem geriet die Abtei wieder in die Streitereien des Grenzkrieges, im Jahre 1544 zündeten die Engländer die Stadt an und plünderten das Kloster, das wiederholte sich im nächsten Jahr. Den wenigen Mönchen verging die Lust am Wiederaufbau, 1556 warnten sie, das es in der Kirche, wenn sie nicht diesen Sommer repariert würde, schon im Winter keinen Gottesdienst mehr geben würde. Vier Jahre später kam die Reformation, und für die herkömmliche Art von Gottesdienst war kein Bedarf mehr.

 

Wie viele Mönche 1560 noch in Melrose wohnten ist nicht bekannt, schon 1539 waren es mit Abt und Prior nur noch 22. Im Bestreben, ihre persönlichen  Pfarrgehälter zu behalten, verzichteten sie auf das Klosterleben und nahmen die reformierte Religion an. Die Gebäude brachen zusammen. 1573 wurden Steine, Bauholz, Blei, Eisen und Glas entfernt, angeblich um  es nicht in die Hände der Engländer fallen zu lassen.

 

Der letzte Mönch starb 1590, das Klosterleben in Melrose starb mit ihm. Die bröckelnde Abteikirche wurde von Stadtvolk benutzt. 1610 wurde der Mönchschor für die Benutzung der Gemeinde umgebaut, auf den Giebel des südlichen Querhauses wurde ein kleiner Glockenturm (Abb. 7) angebracht. Die Ländereien und Besitzungen der Abtei wurden von der Krone an Adlige verteilt. Als im Jahre 1810 die Stadt einen neue Gemeindekirche baute, ging die Geschichte der Abtei Melrose endgültig zu Ende.

 

Die Abtei von Melrose ist eine der schönsten und größten Abteien in den Borders. Was wir heute in den Resten der Abtei so beeindruckend sehen, lässt die Schönheit der einstigen Abtei nur erahnen.

 

Sicher war der Umfang der Anlage noch größer und wurde in späteren Zeiten durch neue Straßen durchschnitten und eingeengt, was auf Luftaufnahmen gut zu erkennen  ist.

 

Ihre Geschichte ist faszinierend. Sie beginnt in dunkler Vorzeit mit der Ankunft keltischer Mönche in Old Melrose und setzt sich mit der Niederlassung der Zisterzienser im Jahre 1136 fort. Durch ihren Fleiß und durch ihre harte Arbeit schufen sie eine der reichsten und prächtigsten Abteien Schottlands. Trotz der Reformation endete ihre Geschichte nicht im Jahre 1510, sondern erst im frühen 19. Jh. als die Stadt eine neue Gemeindekirche erbaute.

 

Mit der Abtei Melrose verbinden sich viele bedeutende historische Persönlichkeiten  unter ihnen St. Aidan, St. Cuthbert, St. Waltheof, König David I. und König Robert the Bruce von Schottland sowie König Richard II. von England.

 

 

Literatur:

 

Historic Scotland  „Melrose Abbey“ Denkmal-Führer  1995 (Abb. 1,3,5,7)

 

David Robinson u.a.:

“The Cistercian Abbeys of Britain”  London  1998

 

P.Gregor Müller OCist:

“Beiträge zur Geschichte des Zisterzienserordens in Schottland“  

in  Cistercienser-Chronik   1.Jan.1913  Jahrg.25ff.